Wenn du physische Produkte verkaufst, entscheidet die Organisation deines Lagers darüber, wie schnell du Bestellungen bearbeitest und wie viele Waren unverkauft liegen bleiben. Eine häufig genutzte Methode zur Steuerung der Warenbewegung ist FIFO.
Das Prinzip hilft dir, ältere Bestände zuerst zu verkaufen. Dadurch kannst du vermeiden, dass Produkte ablaufen, veralten oder durch lange Lagerzeiten an Wert verlieren. FIFO eignet sich deshalb nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kosmetik, Mode, Elektronik und viele weitere Produktkategorien im E-Commerce.
In diesem Beitrag erfährst du, was FIFO bedeutet, wie das Verfahren funktioniert und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt. Außerdem zeigen wir dir, wie du FIFO in deinem Lager umsetzt, worin sich die Methode von LIFO und FEFO unterscheidet und wann sie für deinen Onlineshop sinnvoll ist.
Was bedeutet FIFO?
FIFO steht für „First In, First Out“. Das Prinzip besagt, dass die Waren, die zuerst in dein Lager gelangen, auch zuerst wieder entnommen und verkauft werden. Neue Lieferungen werden so einsortiert, dass ältere Bestände bei der Kommissionierung Vorrang haben.
Wie funktioniert das FIFO-Prinzip?
Beim FIFO-Prinzip wird immer die Ware zuerst verkauft oder versendet, die bereits am längsten im Lager liegt. Neue Lieferungen werden deshalb hinter den vorhandenen Bestand eingeordnet. Bei einer Bestellung greifst du zuerst auf die älteste Lieferung zurück und erst danach auf neuere Bestände.
Der Ablauf folgt immer derselben Reihenfolge:
- Eine Lieferung trifft im Lager ein und wird mit ihrem Eingangsdatum erfasst.
- Spätere Lieferungen desselben Artikels werden getrennt davon dokumentiert.
- Bei einer Bestellung wird zuerst die älteste noch verfügbare Lieferung verwendet.
- Erst wenn diese vollständig aufgebraucht ist, greifst du auf die nächste Lieferung zurück.
Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip:
- Am 3. März erhältst du 50 Trinkflaschen.
- Am 15. März kommen weitere 40 Trinkflaschen desselben Modells hinzu.
- Am 18. März werden insgesamt 60 Trinkflaschen bestellt.
Für den Versand nutzt du zuerst die 50 Flaschen aus der Lieferung vom 3. März. Da diese Menge nicht ausreicht, entnimmst du zusätzlich 10 Flaschen aus der Lieferung vom 15. März.
Nach der Bearbeitung der Bestellungen befinden sich noch 30 Flaschen im Lager. Sie stammen alle aus der neueren Lieferung vom 15. März.
Damit FIFO zuverlässig funktioniert, muss jederzeit erkennbar sein, wann eine Ware eingelagert wurde. Außerdem sollte dein Lager so aufgebaut sein, dass ältere Bestände leichter zugänglich sind als neue. So verhinderst du, dass neu eingetroffene Ware versehentlich zuerst versendet wird.
Für welche Produkte eignet sich FIFO?
FIFO ist besonders sinnvoll, wenn Produkte mit zunehmender Lagerdauer an Qualität, Aktualität oder Verkaufswert verlieren.
Typische Anwendungsbereiche sind:
- Lebensmittel und Getränke mit begrenzter Haltbarkeit
- Kosmetik- und Pflegeprodukte
- Arzneimittel und Gesundheitsprodukte
- Mode und saisonale Kollektionen
- Elektronik und technisches Zubehör
- Druckerzeugnisse mit wechselnden Auflagen
- Produkte mit regelmäßig veränderter Verpackung
- Aktions- und Saisonware
Auch bei Waren ohne festes Ablaufdatum kann FIFO sinnvoll sein. Verpackungen können beschädigt werden, Materialien können altern und ältere Produktversionen lassen sich möglicherweise schwieriger verkaufen.
Welche Vorteile bietet FIFO im E-Commerce?
- Weniger veraltete Bestände: Wenn ältere Waren zuerst entnommen werden, sinkt das Risiko, dass Produkte unbemerkt über längere Zeit im Lager verbleiben. Du kannst Ladenhüter schneller erkennen und Bestände gezielter steuern.
- Geringerer Verderb und Schwund: Bei Lebensmitteln, Kosmetik oder anderen Produkten mit begrenzter Haltbarkeit hilft FIFO dabei, Waren rechtzeitig zu verkaufen. Dadurch musst du weniger abgelaufene oder nicht mehr verkaufsfähige Produkte abschreiben.
- Gleichmäßigere Warenrotation: FIFO sorgt für einen kontinuierlichen Bestandsfluss. Statt neue Lieferungen immer vorne zu platzieren und zuerst zu verkaufen, rotieren deine Waren entsprechend ihrem Eingangsdatum.
- Bessere Produktqualität: Kund:innen erhalten eher Produkte aus älteren, aber weiterhin einwandfreien Chargen, bevor diese zu lange lagern. Das kann besonders bei empfindlichen oder saisonabhängigen Artikeln wichtig sein.
- Einfachere Bestandskontrolle: Durch eine klare Reihenfolge kannst du Wareneingänge, Lagerdauer und Warenbewegungen leichter nachvollziehen. Das erleichtert auch Inventuren und die Suche nach fehlerhaften Chargen.
- Realistischere Lagerplanung: Wenn du weißt, wie schnell einzelne Chargen das Lager verlassen, kannst du Nachbestellungen besser planen. Dadurch reduzierst du sowohl Überbestände als auch kurzfristige Lieferengpässe.
Welche Nachteile hat das FIFO-Verfahren?
FIFO ist nicht für jedes Lager automatisch die einfachste Lösung.
Zu den möglichen Nachteilen gehören:
- Die Waren müssen konsequent nach Eingangsdatum gekennzeichnet werden.
- Ältere Produkte müssen jederzeit erreichbar bleiben.
- Neue Lieferungen dürfen ältere Bestände nicht verdecken.
- Mitarbeitende benötigen klare Prozesse für Einlagerung und Entnahme.
- Bei vielen Varianten oder Chargen steigt der organisatorische Aufwand.
- Bestandsfehler können die vorgesehene Entnahmereihenfolge unterbrechen.
Besonders bei wachsendem Bestellvolumen reichen handschriftliche Listen oder einfache Tabellen häufig nicht mehr aus. Dann kann eine digitale Bestandsverwaltung notwendig werden.
FIFO im Lager umsetzen: 6 konkrete Schritte
- Erfasse jede Lieferung direkt beim Wareneingang
- Kennzeichne jede Charge eindeutig
- Lagere ältere Ware immer vor neuer Ware
- Lege eine verbindliche Entnahmeregel fest
- Prüfe die Reihenfolge bei jeder Kommissionierung
- Führe regelmäßig FIFO-Kontrollen durch
1. Erfasse jede Lieferung direkt beim Wareneingang
Lege für jede neue Lieferung fest, welche Informationen du dokumentierst. Dazu gehören mindestens:
- Eingangsdatum
- Artikelnummer oder SKU
- Stückzahl
- Lieferant:in
- Charge oder Seriennummer
- Mindesthaltbarkeits- oder Ablaufdatum, falls vorhanden
Erfasse die Daten sofort, bevor die Ware eingelagert wird. So verhinderst du, dass Lieferungen später nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können.
2. Kennzeichne jede Charge eindeutig
Bringe auf jeder Lieferung ein gut sichtbares Etikett an. Darauf sollten das Eingangsdatum und gegebenenfalls die Chargennummer stehen.
Nutze zusätzlich Barcodes oder QR-Codes, wenn du mit einem Warenwirtschafts- oder Lagerverwaltungssystem arbeitest. Achte darauf, dass die Kennzeichnung auch nach dem Öffnen von Kartons oder Umverpackungen erkennbar bleibt.
3. Lagere ältere Ware immer vor neuer Ware
Räume vorhandene Bestände nicht einfach nach hinten oder unten, wenn eine neue Lieferung eintrifft. Verschiebe ältere Ware stattdessen so, dass sie zuerst erreichbar ist.
Das kann zum Beispiel bedeuten:
- ältere Produkte vorne, neue Produkte hinten
- ältere Kartons oben, neue Kartons unten
- ältere Ware auf der Entnahmeseite, neue Ware auf der Befüllseite
Verwende nach Möglichkeit feste Lagerplätze für einzelne Artikel. Dadurch sinkt das Risiko, dass verschiedene Chargen vermischt werden.
4. Lege eine verbindliche Entnahmeregel fest
Definiere für alle Mitarbeitenden eine klare Vorgabe: Bei jeder Bestellung wird die älteste verkaufsfähige Einheit entnommen.
Diese Regel sollte unabhängig davon gelten, welche Ware gerade am leichtesten erreichbar ist. Halte sie in deinen Lagerprozessen fest und schule alle Personen, die Waren einlagern oder kommissionieren.
Bei Produkten mit Ablaufdatum solltest du zusätzlich prüfen, ob FEFO (First Expired First Out) geeigneter ist. Dabei wird nicht das älteste Eingangsdatum, sondern das früheste Ablaufdatum priorisiert.
5. Prüfe die Reihenfolge bei jeder Kommissionierung
Kontrolliere beim Zusammenstellen einer Bestellung das Eingangsdatum oder die Chargennummer. Entnimm erst dann die Ware.
Mit einem digitalen Lagerverwaltungssystem kannst du die älteste Charge automatisch im Kommissionierauftrag anzeigen lassen. Ohne Software sollte die Reihenfolge auf Lagerlisten oder Entnahmescheinen eindeutig erkennbar sein.
Bei Retouren musst du außerdem prüfen, aus welcher Charge das Produkt stammt und ob es erneut verkauft werden kann.
6. Führe regelmäßige FIFO-Kontrollen durch
Überprüfe in festen Abständen, ob die ältesten Waren tatsächlich zuerst entnommen werden. Je nach Bestellvolumen kann diese Kontrolle täglich, wöchentlich oder monatlich erfolgen.
Kontrolliere dabei:
- Liegt neue Ware vor älteren Beständen?
- Sind alle Chargen korrekt gekennzeichnet?
- Gibt es Produkte mit ungewöhnlich langer Lagerdauer?
- Stimmen physischer Bestand und Systembestand überein?
- Befindet sich beschädigte oder abgelaufene Ware im Verkaufsbestand?
Dokumentiere Abweichungen und korrigiere sie direkt. Wiederholen sich bestimmte Fehler, solltest du Lagerplätze, Kennzeichnungen oder Arbeitsabläufe anpassen.
FIFO, LIFO und FEFO im Vergleich
FIFO ist nur eine von mehreren Methoden zur Organisation von Warenbewegungen.
| Methode | Bedeutung | Entnahmereihenfolge | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| FIFO | First In, First Out | Älteste eingelagerte Ware zuerst | Verderbliche, saisonale oder schnell veraltende Produkte |
| LIFO | Last In, First Out | Zuletzt eingelagerte Ware zuerst | Unempfindliche Schütt- oder Stapelgüter |
| FEFO | First Expired, First Out | Ware mit dem frühesten Ablaufdatum zuerst | Lebensmittel, Kosmetik, Arzneimittel und Gesundheitsprodukte |
Bei FIFO ist das Eingangsdatum entscheidend. FEFO richtet sich dagegen nach dem Ablaufdatum. Das kann einen Unterschied machen, wenn eine spätere Lieferung ein früheres Verfallsdatum besitzt.
Erhältst du beispielsweise im Mai eine Charge mit Haltbarkeit bis Dezember und im Juni eine Charge mit Haltbarkeit bis Oktober, würde FIFO zunächst die Mai-Lieferung priorisieren. Nach FEFO müsste dagegen zuerst die Juni-Lieferung verkauft werden.
Für Waren mit stark unterschiedlichen Haltbarkeitsdaten ist FEFO deshalb häufig präziser.
Fazit: FIFO schafft eine klare Reihenfolge im Lager
Das FIFO-Prinzip folgt einer einfachen Regel: Zuerst eingelagerte Waren werden zuerst verkauft oder verwendet. Dadurch unterstützt die Methode eine gleichmäßige Warenrotation und reduziert das Risiko von Verderb, Veralterung und Wertverlust.
Für E-Commerce-Unternehmen ist FIFO vor allem dann relevant, wenn Produkte nur begrenzt haltbar, saisonabhängig oder schnell überholt sind. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung sind eine genaue Erfassung der Wareneingänge, eindeutig gekennzeichnete Chargen und eine Lagerstruktur, die den Zugriff auf ältere Bestände erleichtert.




