Headless Commerce gibt E-Commerce-Unternehmen mehr Freiheit bei der Gestaltung ihrer digitalen Einkaufserlebnisse. Durch die Trennung von Frontend und Backend können Entwicklungsteams individuelle Storefronts erstellen, neue Technologien einsetzen und verschiedene Verkaufskanäle über ein gemeinsames Commerce-Backend bedienen.
Wer dabei auf Open-Source-Technologien setzt, erhält zusätzliche Möglichkeiten zur Anpassung. Doch Open Source bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Commerce-Plattform quelloffen sein muss. Unternehmen können beispielsweise ein Open-Source-Framework für ihr Frontend mit einem SaaS-Commerce-Backend kombinieren.
Gerade für größere E-Commerce-Unternehmen ist deshalb entscheidend, welche Bestandteile ihres Tech-Stacks sie selbst entwickeln und betreiben möchten – und welche Aufgaben eine Plattform übernehmen soll.
Was bedeutet Headless E-Commerce Open Source?
Headless E-Commerce Open Source bezeichnet einen Commerce-Ansatz, bei dem Frontend und Backend voneinander getrennt sind und quelloffene Technologien für einzelne oder mehrere Bestandteile des Tech-Stacks eingesetzt werden. Das kann von einem Open-Source-Frontend bis zu einer vollständig selbst gehosteten Open-Source-Commerce-Plattform reichen.
Warum nutzen Unternehmen Open Source für Headless Commerce?
Ein wesentlicher Vorteil von Open-Source-Software ist die technische Kontrolle. Unternehmen mit entsprechenden Entwicklungsressourcen können vorhandenen Code als Grundlage verwenden und ihn an ihre Anforderungen anpassen.
Statt jede Funktion von Grund auf selbst entwickeln zu müssen, greifen Teams auf bestehende Frameworks, Bibliotheken und andere Open-Source-Projekte zurück. Viele dieser Projekte werden von internationalen Entwickler-Communitys gepflegt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Für E-Commerce-Unternehmen können sich daraus mehrere Vorteile ergeben:
- geringere oder keine klassischen Lizenzkosten für die jeweilige Open-Source-Software
- umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten
- Zugriff auf den Quellcode
- freie Wahl bestimmter Technologien und Frameworks
- Nutzung bestehender Komponenten statt vollständiger Eigenentwicklung
- Unterstützung durch Entwickler-Communitys und bestehende Ökosysteme
Besonders für Unternehmen mit eigenen Entwicklungsteams kann Open Source deshalb ein wichtiger Bestandteil einer Headless-Strategie sein.
Die Kosten sollten dabei allerdings nicht nur anhand der Softwarelizenz beurteilt werden. Hosting, Entwicklung, Wartung, Sicherheitsupdates, Integrationen und der laufende technische Betrieb können einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen.
Open Source oder SaaS für Headless E-Commerce?
Da Headless Commerce Frontend und Backend voneinander entkoppelt, kannst du relativ frei entscheiden, an welchen Stellen deines Tech-Stacks du Open Source einsetzt und wo du auf Software as a Service (SaaS) zurückgreifst.
Beide Modelle können die Grundlage für individuelle Headless-Storefronts bilden. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich hinsichtlich Betrieb, Verantwortung und benötigter Entwicklungsressourcen.
Open-Source-Commerce-Plattformen
Bei einer vollständig quelloffenen Commerce-Plattform erhalten Entwicklungsteams Zugriff auf den Quellcode des Commerce-Systems. Dadurch lassen sich Funktionen tiefgreifend verändern und an individuelle Geschäftsprozesse anpassen.
Diese Freiheit bringt allerdings zusätzliche Verantwortung mit sich.
Zu den wichtigsten Kosten- und Aufwandsfaktoren gehören:
- Entwicklungsressourcen: Für Aufbau, Anpassung und Fehlerbehebung benötigst du Entwickler:innen mit passenden technischen Kenntnissen. Je individueller das System wird, desto spezieller kann das erforderliche Know-how werden.
- Zusätzliche Funktionen: Die grundlegende Software kann kostenlos verfügbar sein, während bestimmte Erweiterungen, Integrationen oder Dienste zusätzliche Kosten verursachen.
- Hosting und Infrastruktur: Bei selbst gehosteten Lösungen liegt der zuverlässige Betrieb der Infrastruktur in der Verantwortung deines Unternehmens oder externer Dienstleister:innen.
- Wartung und Updates: Updates müssen getestet, implementiert und überwacht werden. Individuelle Anpassungen können diesen Prozess zusätzlich erschweren.
- Sicherheit und Compliance: Abhängig von der Architektur trägt dein Unternehmen mehr Verantwortung für Sicherheitsmaßnahmen und technische Compliance-Anforderungen.
Eine Open-Source-Plattform kann damit hohe technische Freiheit bieten. Der fehlende Lizenzpreis sollte jedoch nicht mit niedrigen Gesamtkosten gleichgesetzt werden.
SaaS-Commerce-Plattformen
Bei einer SaaS-Commerce-Plattform übernehmen die Plattformanbieter:innen einen größeren Teil der technischen Infrastruktur und des laufenden Betriebs.
Unternehmen zahlen dafür in der Regel wiederkehrende Gebühren. Diese decken jedoch Leistungen ab, die bei einer selbst betriebenen Open-Source-Plattform separat organisiert und finanziert werden müssten.
Dazu können gehören:
- Hosting und Infrastruktur
- Plattformwartung und Updates
- Sicherheitsmaßnahmen
- Unterstützung relevanter Compliance-Anforderungen
- Support
- vorgefertigte Integrationen, Apps und Erweiterungen
- Skalierung der Commerce-Infrastruktur
Für Headless Commerce bedeutet SaaS nicht, dass du auf ein individuelles Frontend verzichten musst. Ein SaaS-Backend kann über APIs mit einem selbst entwickelten oder auf Open-Source-Technologien basierenden Frontend verbunden werden.
Damit entsteht ein hybrider Ansatz: Das Unternehmen behält die Freiheit bei der Entwicklung des Einkaufserlebnisses, während zentrale Commerce-Funktionen von einer SaaS-Plattform betrieben werden.
Welche Vorteile bietet Open-Source-Headless-Commerce mit einer SaaS-Plattform?
Die Kombination aus Open-Source-Technologien im Frontend und einer SaaS-Plattform im Backend kann die Vorteile beider Ansätze verbinden.
Entwicklungsteams behalten die Freiheit, individuelle Einkaufserlebnisse zu entwickeln und moderne Frameworks einzusetzen. Gleichzeitig müssen sie nicht sämtliche Aufgaben rund um Hosting, Plattformwartung, Sicherheit und Skalierung selbst übernehmen.
Schnellere Entwicklung und Innovation
Der laufende Betrieb einer selbst gehosteten Commerce-Plattform bindet technische Ressourcen. Entwickler:innen müssen sich nicht nur mit neuen Funktionen beschäftigen, sondern auch mit Updates, Monitoring, Infrastruktur und Fehlerbehebung.
Bei einer SaaS-Plattform übernehmen die Anbieter:innen viele dieser Aufgaben.
Dadurch kann sich das interne Entwicklungsteam stärker auf Bereiche konzentrieren, die das Einkaufserlebnis unmittelbar verbessern: neue Frontend-Funktionen, Tests, Personalisierung oder die Integration zusätzlicher Touchpoints.
Gerade für größere Unternehmen ist diese Aufgabenteilung relevant. Ein flexibles Frontend bringt nur begrenzte Vorteile, wenn ein erheblicher Teil der Entwicklungszeit für die Wartung der zugrunde liegenden Commerce-Infrastruktur benötigt wird.
Zugriff auf ein bestehendes App- und Integrationsökosystem
Bei vollständig selbst entwickelten oder stark individualisierten Open-Source-Systemen müssen zusätzliche Funktionen häufig integriert, konfiguriert und anschließend dauerhaft gewartet werden.
Eine etablierte SaaS-Commerce-Plattform stellt dagegen ein bestehendes Ökosystem aus Apps, Schnittstellen und Integrationen bereit.
Dadurch lassen sich beispielsweise zusätzliche Systeme für Marketing, Warenwirtschaft, Produktinformationen oder Kundenservice anbinden, ohne jede Funktion vollständig selbst entwickeln zu müssen.
Für Headless-Architekturen sind leistungsfähige APIs dabei besonders wichtig. Sie sorgen dafür, dass Commerce-Funktionen unabhängig vom gewählten Frontend genutzt werden können.
Skalierung bei wachsendem Traffic
Die Skalierbarkeit der technischen Infrastruktur spielt besonders bei saisonalen Verkaufsspitzen eine wichtige Rolle.
Black Friday, Cyber Monday oder erfolgreiche Kampagnen können innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Besucher:innen und Bestellungen erzeugen. Bei einer selbst betriebenen Plattform muss die Infrastruktur auf solche Lastspitzen vorbereitet sein.
Bei SaaS-Lösungen übernehmen die Plattformanbieter:innen einen wesentlichen Teil dieser Aufgabe.
Für Unternehmen bedeutet das, dass sich Entwicklungsteams stärker auf die Skalierung des Einkaufserlebnisses konzentrieren können, anstatt gleichzeitig die zugrunde liegende Commerce-Infrastruktur verwalten zu müssen.
Worauf solltest du bei einer SaaS-Plattform für Open-Source-Headless-Commerce achten?
Nicht jede SaaS-Plattform bietet dieselben Voraussetzungen für Headless Commerce. Wenn du Open-Source-Technologien im Frontend mit einem SaaS-Backend kombinieren möchtest, solltest du deshalb mehrere Kriterien prüfen.
Wichtig sind insbesondere:
- APIs: Prüfe, welche Commerce-Funktionen über APIs verfügbar sind und welche Einschränkungen bestehen.
- Frontend-Freiheit: Das System sollte die Entwicklung individueller Storefronts mit geeigneten Frameworks ermöglichen.
- Skalierbarkeit: Die Plattform sollte mit steigendem Traffic, größeren Produktkatalogen und wachsenden Bestellvolumen umgehen können.
- Integrationen: Bestehende ERP-, PIM-, CRM-, CMS- und weitere Systeme sollten sich sinnvoll anbinden lassen.
- Entwickler-Tools: SDKs, Dokumentation, Frameworks und Entwicklungsumgebungen können die Umsetzung deutlich beschleunigen.
- Hosting: Kläre, ob du dein Frontend selbst hosten möchtest oder eine passende Hosting-Lösung der Plattformanbieter:innen nutzen kannst.
- Betrieb und Sicherheit: Berücksichtige, welche Aufgaben die Anbieter:innen übernehmen und welche weiterhin bei deinem Unternehmen liegen.
Entscheidend ist damit nicht nur die Frage „Open Source oder SaaS?“. Vielmehr geht es darum, an welchen Stellen offene Technologien einen konkreten Vorteil schaffen und welche Teile des Commerce-Stacks besser als verwaltete Services betrieben werden.
Headless E-Commerce Open Source mit Shopify
Shopify ist keine Open-Source-Commerce-Plattform. Unternehmen können Shopify jedoch als Commerce-Backend für eine Headless-Architektur verwenden und das Frontend mit offenen Technologien individuell entwickeln.
Shopify stellt dafür verschiedene Headless-Technologien bereit. Zu den zentralen Bestandteilen gehören die Storefront API sowie Hydrogen und Oxygen.
Damit können Unternehmen die Commerce-Funktionen von Shopify nutzen und gleichzeitig eigene Storefronts und digitale Einkaufserlebnisse entwickeln.
Storefront API
Die Storefront API bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen Shopify und individuellen Headless-Frontends.
Über die API können Entwickler:innen Commerce-Daten und -Funktionen in individuelle Einkaufserlebnisse integrieren. Dazu gehören beispielsweise Produktinformationen, Warenkörbe und weitere Funktionen, die für eine Storefront benötigt werden.
Da Frontend und Commerce-Backend getrennt sind, können Unternehmen unterschiedliche Technologien für ihre Präsentationsschicht verwenden.
Das ist insbesondere dann relevant, wenn bereits ein bestimmter Frontend-Stack vorhanden ist oder wenn unterschiedliche digitale Touchpoints auf dasselbe Commerce-Backend zugreifen sollen.
Hydrogen und Oxygen
Mit Hydrogen stellt Shopify einen Open-Source-Stack für die Entwicklung individueller Headless-Storefronts bereit. Hydrogen basiert auf React und enthält für Commerce optimierte Komponenten, Hooks und Hilfsprogramme, die auf die Zusammenarbeit mit Shopify-APIs ausgelegt sind.
Entwicklungsteams müssen dadurch nicht jede grundlegende Commerce-Funktion im Frontend von Grund auf neu aufbauen.
Für das Hosting von Hydrogen-Storefronts steht mit Oxygen eine global verteilte Hosting-Lösung zur Verfügung. Alternativ können Unternehmen ihre Storefront auch über andere geeignete Hosting-Anbieter:innen bereitstellen.
Damit lässt sich ein Tech-Stack aufbauen, bei dem Shopify zentrale Commerce-Funktionen und die dazugehörige Infrastruktur bereitstellt, während das Unternehmen die Kontrolle über sein individuelles Frontend behält.
Fazit: Open Source und SaaS müssen kein Widerspruch sein
Bei Headless E-Commerce muss die Entscheidung nicht zwangsläufig zwischen einer vollständig offenen und einer vollständig proprietären Architektur fallen.
Gerade die Entkopplung von Frontend und Backend ermöglicht es, beide Ansätze miteinander zu kombinieren.
Open-Source-Technologien können dort eingesetzt werden, wo Entwicklungsfreiheit, Anpassbarkeit und Kontrolle besonders wichtig sind. Eine SaaS-Commerce-Plattform kann gleichzeitig Aufgaben wie Infrastruktur, Skalierung, Plattformwartung und zentrale Commerce-Funktionen übernehmen.
Welche Architektur sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem von deinen Anforderungen und Ressourcen ab.
Verfügst du über ein großes Entwicklungsteam und möchtest auch das Commerce-Backend tiefgreifend verändern, kann eine umfassendere Open-Source-Architektur sinnvoll sein. Möchtest du dagegen vor allem das Kundenerlebnis individuell gestalten, ohne die komplette Commerce-Infrastruktur selbst zu betreiben, kann die Kombination aus Open-Source-Frontend und SaaS-Backend den technischen Aufwand reduzieren.
Für E-Commerce-Unternehmen ist daher weniger entscheidend, ob möglichst viele Bestandteile des Tech-Stacks Open Source sind. Wichtiger ist, dass die gewählte Architektur genügend Flexibilität für individuelle Einkaufserlebnisse bietet und gleichzeitig langfristig zuverlässig betrieben werden kann.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Shopify.com-Blog und wurde übersetzt.




