Egal, ob du Elektronik, Kleidung oder personalisierte Schlüsselanhänger importierst: Verwendest du für ein Produkt den falschen TARIC-Code, kann das zu Verzögerungen, Nachzahlungen oder Bußgeldern führen.
Fehler bei der Zolltarifierung betreffen nicht nur große Unternehmen. Schon eine falsche Materialangabe oder eine ungenaue Produktklassifizierung kann dazu führen, dass für eine Ware ein falscher Zollsatz berechnet wird oder zusätzliche Prüfungen erforderlich sind.
In diesem Leitfaden erfährst du, was TARIC-Codes sind, wie du den richtigen Code für deine Produkte findest und welche Tools dir dabei helfen, deine Zollunterlagen korrekt vorzubereiten.
Table of contents
- Was sind TARIC-Codes?
- TARIC-Codes: Die wichtigsten Begriffe
- TARIC-Code vs. HS-Code: Was ist der Unterschied?
- Die Geschichte der TARIC-Codes
- Aufbau von TARIC-Codes
- So funktionieren die TARIC-Kapitel
- So funktionieren TARIC-Codes und Zollsätze
- Häufige Fehler bei TARIC-Codes und ihre Folgen
- Tools zur Klassifizierung von TARIC-Codes
- So fügst du HS-Codes zu deinen Shopify-Produkten hinzu
- Die Zukunft von TARIC-Codes
- FAQ: TARIC-Codes
Was sind TARIC-Codes?
TARIC-Codes (Tarif Intégré de la Communauté) dienen dazu, Waren bei der Einfuhr in die Europäische Union eindeutig zu klassifizieren. Jede Ware erhält einen zehnstelligen Code, anhand dessen die Zollbehörden unter anderem Zölle, Einfuhrvorschriften und handelspolitische Maßnahmen bestimmen.
Die ersten sechs Stellen stammen aus dem international gültigen Harmonisierten System (HS), das in mehr als 200 Ländern und Wirtschaftsgebieten verwendet wird. Die siebte und achte Stelle bilden die Kombinierte Nomenklatur (KN) der Europäischen Union. Die letzten beiden Stellen ergänzen den TARIC-Code um EU-spezifische Informationen. Zusammen beschreiben sie eine Ware möglichst genau, zum Beispiel nach Material, Verwendungszweck oder Eigenschaften.
Die Europäische Kommission verwaltet die TARIC-Datenbank und aktualisiert sie regelmäßig, damit sie internationalen Standards und den geltenden EU-Vorschriften entspricht. Die Zollbehörden der EU-Mitgliedstaaten prüfen bei der Einfuhr die Zollanmeldungen, kontrollieren die verwendeten TARIC-Codes und entscheiden, ob eine Sendung freigegeben wird oder weitere Prüfungen erforderlich sind.
TARIC-Codes: Die wichtigsten Begriffe
Der internationale Handel bringt viele Fachbegriffe und Abkürzungen mit sich. Die folgenden Organisationen und Systeme helfen dir dabei, TARIC-Codes, die Zolltarifierung und internationale Importe besser zu verstehen.
Weltzollorganisation (WCO)
Die Weltzollorganisation (World Customs Organization, WCO) ist eine unabhängige zwischenstaatliche Organisation mit 186 Mitgliedern. Ihre Mitglieder wickeln rund 98 % des weltweiten Warenhandels ab (Link auf Englisch).
Harmonisiertes System (HS)
Die WCO entwickelt und pflegt das Harmonisierte System (HS). Offiziell bezeichnet als „Harmonized Commodity Description and Coding System” ist das HS der internationale Standard zur Klassifizierung von Waren. Fast alle Länder nutzen dieses System als gemeinsame Grundlage für den grenzüberschreitenden Warenverkehr.
HS-Code
Ein HS-Code besteht aus sechs Stellen und klassifiziert Waren für den internationalen Handel. Die ersten beiden Stellen kennzeichnen das Kapitel, die nächsten beiden die Position und die letzten beiden die Unterposition.
HS-Codes spielen nicht nur bei Importen eine Rolle. Sie werden auch für internationale Exporte verwendet und bilden die Grundlage vieler nationaler Zolltarife.
Kombinierte Nomenklatur (KN)
Die Kombinierte Nomenklatur (KN) erweitert den sechsstelligen HS-Code um zwei weitere Stellen. Sie dient der Europäischen Union als gemeinsame Warennomenklatur für Zolltarife, Außenhandelsstatistiken und weitere handelspolitische Maßnahmen.
TARIC-Code
TARIC steht für „Tarif Intégré de la Communauté” und ist der integrierte Zolltarif der Europäischen Union. Ein TARIC-Code besteht aus zehn Stellen. Die ersten sechs Stellen entsprechen dem HS-Code, die Stellen sieben und acht der Kombinierten Nomenklatur. Die letzten beiden Stellen enthalten zusätzliche TARIC-Unterteilungen der Europäischen Union, etwa zu Zollsätzen, Antidumpingmaßnahmen, Einfuhrbeschränkungen oder Präferenzregelungen. Zusammen ermöglichen sie eine eindeutige Klassifizierung jeder Ware.
Europäische Kommission
Die Europäische Kommission verwaltet die TARIC-Datenbank und veröffentlicht regelmäßig Aktualisierungen. Unternehmen nutzen sie, um die korrekten TARIC-Codes sowie geltende Zollsätze und handelspolitische Maßnahmen für ihre Waren zu ermitteln.
Zollbehörden
Die Zollbehörden der einzelnen EU-Mitgliedstaaten prüfen Zollanmeldungen und kontrollieren die verwendeten TARIC-Codes. Sie berechnen Einfuhrabgaben, wenden handelspolitische Maßnahmen an und entscheiden über die Freigabe von Warensendungen.
TARIC-Code vs. HS-Code: Was ist der Unterschied?
Der HS-Code bildet die internationale Grundlage für die Warenklassifizierung. Er besteht aus sechs Stellen, wird von der Weltzollorganisation (WCO) vergeben und in mehr als 200 Ländern und Wirtschaftsgebieten verwendet. Der Code beschreibt eine Ware anhand ihrer Kategorie, ihres Materials und ihrer Funktion.
Der TARIC-Code baut auf diesem internationalen Standard auf. Er übernimmt die ersten sechs Stellen des HS-Codes, ergänzt sie um die zweistellige Kombinierte Nomenklatur (KN) und zwei weitere TARIC-Stellen. Dadurch berücksichtigt er die zoll- und handelspolitischen Vorgaben der Europäischen Union, etwa Zollsätze, Einfuhrbeschränkungen oder Präferenzregelungen.
Wann verwendest du HS-Codes und wann TARIC-Codes?
Du verwendest den HS-Code, wenn du Waren international versendest oder Produkte von Lieferant:innen aus dem Ausland beziehst. Er dient weltweit als gemeinsame Grundlage für die Klassifizierung von Waren und erleichtert die Kommunikation zwischen Unternehmen und Zollbehörden.
Verwende den TARIC-Code, wenn du Waren in die Europäische Union importierst. Die Zollbehörden der EU nutzen ihn, um Zölle und Einfuhrabgaben zu berechnen, handelspolitische Maßnahmen anzuwenden und Waren korrekt zu klassifizieren.
Hinweis: Verkaufst du weltweit und importierst Waren in die Europäische Union, benötigst du in der Regel beides: den HS-Code für den internationalen Warenverkehr und den TARIC-Code für die Zollabfertigung innerhalb der EU.
Die Geschichte der TARIC-Codes
Das Harmonisierte System (HS) wurde 1988 von der Weltzollorganisation (WCO) eingeführt, um die Warenklassifizierung im internationalen Handel zu vereinheitlichen. Seitdem nutzen die meisten Länder weltweit dieses System als Grundlage für ihre Zolltarife und Handelsstatistiken. Heute gilt:
- Die Weltzollorganisation (WCO) überprüft das Harmonisierte System regelmäßig und veröffentlicht Aktualisierungen.
- Die Europäische Kommission pflegt und aktualisiert die TARIC-Datenbank fortlaufend.
- Die Zollbehörden der EU-Mitgliedstaaten wenden TARIC-Codes bei der Zollabfertigung an und prüfen, ob Waren korrekt klassifiziert wurden.
Aufbau von TARIC-Codes
Jeder TARIC-Code besteht aus zehn Stellen und gliedert sich in fünf Abschnitte:
- Kapitel: Die ersten beiden Stellen kennzeichnen das Kapitel des Harmonisierten Systems (HS).
- Position: Die nächsten beiden Stellen kennzeichnen die Position innerhalb dieses Kapitels.
- Unterposition: Die folgenden beiden Stellen bilden die Unterposition des Harmonisierten Systems.
- Kombinierte Nomenklatur (KN): Die siebte und achte Stelle erweitern den HS-Code für die Europäische Union und dienen unter anderem der Zolltarifierung und Handelsstatistik.
- TARIC-Unterteilung: Die letzten beiden Stellen enthalten zusätzliche EU-spezifische Informationen, beispielsweise zu Zollsätzen, Einfuhrbeschränkungen oder handelspolitischen Maßnahmen.
Schau dir nun den Aufbau eines TARIC-Codes am Beispiel von aromatisiertem Bio-Grüntee an. In der Tabelle siehst du zunächst den Aufbau des HS-Codes, der die Grundlage für den TARIC-Code bietet:

Der TARIC-Code für aromatisierten Bio-Grüntee lautet: 0902 10 00 00. Wie du anhand der Tabelle sehen kannst, unterscheiden sich die letzten vier Stellen von denen des reinen HS-Codes.
So wird der zehnstellige TARIC-Code Schritt für Schritt präziser, von der allgemeinen Kategorie „Tee“ bis hin zur konkreten Warenklassifizierung:
So funktionieren die TARIC-Kapitel
TARIC-Codes klassifizieren eingeführte Waren anhand verschiedener Merkmale, zum Beispiel ihres Materials, ihrer Bezeichnung oder ihres Verwendungszwecks. Das System umfasst mehr als 15.000 Warencodes und unterteilt Waren Schritt für Schritt in immer spezifischere Kategorien. Jeder TARIC-Code setzt sich aus Kapiteln, Positionen und Unterpositionen zusammen, die eine Ware eindeutig beschreiben.
Schau dir das einmal am Beispiel von Zimt an:
Zimt fällt unter Kapitel 9, das „Kaffee, Tee, Mate und Gewürze“ umfasst. Zimtblüten, weder gemahlen noch zerkleinert, werden unter einem eigenen TARIC-Code klassifiziert. Andere Formen von Zimt, zum Beispiel gemahlener oder zerkleinerter Zimt, fallen unter andere Unterpositionen und können unterschiedlichen Zollsätzen unterliegen.
Jedes TARIC-Kapitel ist durch eine zweistellige Kapitelnummer gekennzeichnet. Für Waren aus Kapitel 9 beginnen alle TARIC-Codes daher mit den Ziffern 09.
So funktionieren TARIC-Codes und Zollsätze
Innerhalb jedes Kapitels findest du vierstellige Positionen, die Waren genauer beschreiben. Für Zimt lautet die Position beispielsweise 0906. Mit jeder weiteren Stelle wird die Warenklassifizierung präziser.
Für verschiedene Zimtprodukte gelten unterschiedliche TARIC-Codes:
- Zimtblüten, weder zerkleinert noch gemahlen
- Zimt, weder zerkleinert noch gemahlen
- Zimt, zerkleinert oder gemahlen
Jede dieser Waren erhält einen eigenen TARIC-Code und kann unterschiedlichen Zollvorschriften oder Einfuhrmaßnahmen unterliegen.
Je nach Ware können unter anderem folgende Arten von Zollsätzen gelten:
- Wertzoll (ad valorem): Der Zoll wird als Prozentsatz des Zollwerts berechnet, zum Beispiel 2,5 %.
- Mengenzoll (spezifischer Zoll): Der Zoll richtet sich nach der Menge der Ware, zum Beispiel 0,11 € pro Kilogramm.
- Kombinierter Zoll: Hier werden Wertzoll und Mengenzoll miteinander kombiniert.
Schau dir noch einmal das Beispiel mit Zimt an.
Für verschiedene Zimtprodukte gelten unterschiedliche TARIC-Codes und damit gegebenenfalls auch unterschiedliche Zollsätze oder handelspolitische Maßnahmen. Zusätzlich können weitere Vorschriften gelten, etwa Antidumpingmaßnahmen, Einfuhrverbote oder Präferenzzölle im Rahmen von Handelsabkommen.
Der TARIC-Code hilft dir deshalb nicht nur dabei, deine Waren korrekt anzumelden. Er zeigt dir auch, welche Einfuhrkosten auf dich zukommen und welche Vorschriften du beim Import beachten musst. Das erleichtert dir die Auswahl geeigneter Lieferant:innen und hilft dir, unerwartete Kosten zu vermeiden.
So berechnest du Einfuhrabgaben
Die Art des Zollsatzes bestimmt, wie du die Einfuhrabgaben berechnest.
- Wertzoll (ad valorem): Multipliziere den Zollwert deiner Ware mit dem geltenden Zollsatz. Importierst du beispielsweise Waren im Wert von 10.000 € und gilt ein Wertzoll von 5 %, betragen deine Einfuhrabgaben 500 €. Der Zollwert umfasst in der Regel den Warenwert sowie die Transport- und Versicherungskosten bis zum Ort der Einfuhr.
- Mengenzoll (spezifischer Zoll): Multipliziere den Zollsatz mit der eingeführten Menge. Beträgt der Zoll beispielsweise 0,42 € pro Kilogramm und deine Sendung wiegt 500 Kilogramm, fallen 210 € Einfuhrabgaben an, unabhängig vom Warenwert.
- Kombinierter Zoll: Hier kombinierst du Wertzoll und Mengenzoll. Angenommen, für einen maßgeschneiderten Anzug gilt ein Zollsatz von 20 € pro Anzug zuzüglich 7 % des Warenwerts. Hat der Anzug einen Zollwert von 500 €, berechnest du zunächst den festen Zoll von 20 € und anschließend 7 % von 500 € (= 35 €). Zusammen ergeben sich Einfuhrabgaben von 55 €.
Tipp: Die Höhe der Einfuhrabgaben hängt auch vom Ursprungsland deiner Waren ab. Für viele Länder hat die Europäische Union Handelsabkommen geschlossen, die Zölle reduzieren oder vollständig entfallen lassen können. Ob ein Präferenzzoll gilt, kannst du für deine Ware in der TARIC-Datenbank oder auf Access2Markets prüfen.
Häufige Fehler bei TARIC-Codes und ihre Folgen
Verwendest du einen falschen TARIC-Code, kann deine Warensendung beim Zoll aufgehalten werden. Außerdem drohen Nachforderungen, Bußgelder oder zusätzliche Prüfungen. Als Importeur:in bist du letztlich dafür verantwortlich, dass deine Waren korrekt klassifiziert sind.
Häufige Fehler bei der Warenklassifizierung
Hier sind einige häufige Stolpersteine, denen Unternehmer:innen begegnen:
- Den günstigeren TARIC-Code wählen. Verwende immer den Code, der deine Ware im Zustand der Einfuhr am besten beschreibt. Wähle niemals einen Code nur deshalb, weil dafür ein niedrigerer Zollsatz gilt.
- Material oder Verwendungszweck falsch angeben. Schon kleine Unterschiede können zu einer anderen Wareneinreihung führen. Ein Schlüsselanhänger aus Zinklegierung beispielsweise fällt unter einen anderen TARIC-Code als ein Schlüsselanhänger aus Edelstahl.
- TARIC-Codes ungeprüft übernehmen. Verlasse dich nicht auf alte Rechnungen oder Vorlagen von Dritten. Prüfe stattdessen immer den aktuell gültigen TARIC-Code.
- Textilien falsch klassifizieren. Bei Kleidung spielen unter anderem die Materialzusammensetzung und die Herstellungsart eine wichtige Rolle. Ein Hoodie mit 51 % Baumwolle wird anders eingereiht als ein nahezu identischer Hoodie mit 51 % Polyester. Dasselbe gilt für gestrickte und gewebte Textilien.
- Produktsets falsch einordnen. Verkaufst du ein Produkt zusammen mit Zubehör, etwa ein Hautpflegegerät inklusive Reinigungsmittel und USB-Ladekabel, können für die einzelnen Bestandteile unterschiedliche TARIC-Codes gelten. Je nach Zusammensetzung des Sets greifen unterschiedliche Einreihungsregeln.
- Elektronik nach der falschen Funktion klassifizieren. Ein Produkt, das als Dekoleuchte eingestuft wird, und ein Smart-Home-Gerät mit LED-Display können im Lager nahezu identisch aussehen. Trotzdem fallen sie unter unterschiedliche TARIC-Kapitel und können verschiedenen Zollsätzen unterliegen.
Handelsabkommen und Präferenzzölle
Die Europäische Union hat mit zahlreichen Ländern Handelsabkommen geschlossen. Je nach Ursprungsland deiner Waren können dadurch Zölle reduziert werden oder vollständig entfallen.
Diese Vorteile gelten jedoch nicht automatisch. Du musst den richtigen TARIC-Code verwenden und die Voraussetzungen des jeweiligen Handelsabkommens erfüllen. Ob für deine Ware ein Präferenzzoll gilt, kannst du in der TARIC-Datenbank oder auf Access2Markets prüfen.
Verwendest du einen falschen TARIC-Code, kannst du diese Zollvergünstigungen verpassen und dadurch unnötig hohe Einfuhrabgaben zahlen.
Zivil- und strafrechtliche Folgen einer falschen Tarifierung
Eine falsche Warenklassifizierung kann weitreichende Folgen haben. Je nachdem, ob der Fehler fahrlässig oder vorsätzlich erfolgt, drohen zusätzliche Einfuhrabgaben, Bußgelder oder sogar strafrechtliche Konsequenzen.
| Art des Verstoßes | Beschreibung | Mögliche Folgen |
|---|---|---|
| Fahrlässige Falscheinreihung | Die Ware wird versehentlich einem falschen TARIC-Code zugeordnet, etwa weil die Sorgfaltspflicht nicht eingehalten wurde. | Nachforderungen von Einfuhrabgaben, Bußgelder, Verzögerungen bei der Zollabfertigung |
| Grob fahrlässige Falscheinreihung | Offensichtliche Hinweise auf den richtigen TARIC-Code werden ignoriert oder nicht geprüft. | Höhere Bußgelder, zusätzliche Prüfungen durch die Zollbehörden und Nachforderungen |
| Vorsätzliche Falschangaben | >Waren werden bewusst falsch klassifiziert oder ihr Wert absichtlich falsch angegeben, um Einfuhrabgaben zu reduzieren oder Einfuhrvorschriften zu umgehen. | Hohe Geldbußen, Nachforderungen, Beschlagnahmung der Waren und weitere zollrechtliche Maßnahmen |
| Strafrechtlich relevantes Verhalten | Vorsätzlicher Zollbetrug oder bewusst falsche Angaben gegenüber den Zollbehörden. | Strafverfahren, Geldstrafen oder Freiheitsstrafen nach den jeweils geltenden nationalen Vorschriften |
So vermeidest du Verstöße gegen Zollvorschriften
Eine falsche Warenklassifizierung oder fehlerhafte Zollanmeldung kann zu Verzögerungen, Nachforderungen, Bußgeldern oder weiteren zollrechtlichen Konsequenzen führen. Mit diesen Maßnahmen reduzierst du das Risiko:
- Prüfe den TARIC-Code sorgfältig. Vergewissere dich vor jeder Einfuhr, dass du den aktuell gültigen TARIC-Code verwendest.
- Dokumentiere deine Entscheidung. Halte fest, warum du einen bestimmten TARIC-Code gewählt hast. So kannst du deine Einreihung bei einer Prüfung durch die Zollbehörden nachvollziehbar begründen.
- Überprüfe deine TARIC-Codes regelmäßig. TARIC-Codes, Zollsätze und handelspolitische Maßnahmen können sich ändern. Prüfe deine Warenklassifizierung deshalb mindestens einmal im Jahr oder häufiger, wenn du Produkte aus schnelllebigen Branchen importierst.
- Hole dir Unterstützung, wenn du unsicher bist. Wende dich im Zweifelsfall an Zollberater:innen oder beantrage bei den zuständigen Zollbehörden eine Verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA). Sie schafft Rechtssicherheit für die Einreihung deiner Ware.
- Bleibe auf dem Laufenden. Zölle und Einfuhrvorschriften ändern sich regelmäßig. Informiere dich deshalb über aktuelle Entwicklungen, zum Beispiel in der TARIC-Datenbank, auf Access2Markets oder auf den Informationsseiten des deutschen Zolls. Auch der Shopify-Leitfaden zum internationalen Versand ist ein guter Ausgangspunkt.
In einer Folge des Shopify Masters Podcasts beschreibt Mush Studios Gründer Jacob Winter seinen Ansatz so: „Wenn es zwei Monate länger gedauert hat, um sicherzustellen, dass der Transport unserer Teppiche rechtlich einwandfrei und korrekt abgewickelt wird, dann habe ich mir diese Zeit genommen und den Prozess entsprechend angepasst.“
Tools zur Klassifizierung von TARIC-Codes
Mit den folgenden Tools findest du den passenden TARIC-Code und kannst deine Waren korrekt klassifizieren, bevor du sie in die Europäische Union importierst.
TARIC-Datenbank der Europäischen Kommission
Die offizielle TARIC-Datenbank der Europäischen Kommission ist die wichtigste Anlaufstelle für die Recherche von TARIC-Codes. Du kannst nach Stichwörtern, Warennummern oder Kapiteln suchen und erhältst Informationen zu Zollsätzen, Einfuhrmaßnahmen und weiteren handelspolitischen Vorschriften.
Bevor du loslegst, solltest du Folgendes beachten:
- Suche zunächst allgemein und grenze deine Suche anschließend ein. Gib zunächst einen allgemeinen Begriff wie „Zimt“ ein. Anschließend kannst du dich Schritt für Schritt von Kapitel über Position und Unterposition bis zum vollständigen zehnstelligen TARIC-Code vorarbeiten.
- Lies die Erläuterungen und Hinweise. Die TARIC-Datenbank enthält rechtliche Hinweise und zusätzliche Informationen, die dir bei der korrekten Einreihung helfen. Diese Erläuterungen sind oft wichtiger als die reine Produktbezeichnung.
- Prüfe den vollständigen zehnstelligen TARIC-Code. Die ersten acht Stellen reichen häufig nicht aus. Kontrolliere immer den vollständigen zehnstelligen TARIC-Code, bevor du deine Zollanmeldung abschließt.
- Berücksichtige handelspolitische Maßnahmen. Neben dem TARIC-Code zeigt dir die Datenbank auch an, ob für deine Ware beispielsweise Präferenzzölle, Antidumpingmaßnahmen, Einfuhrbeschränkungen oder andere Vorschriften gelten.
Automatisierte Tools zur Klassifizierung von TARIC-Codes
Wenn du dich nicht selbst durch Zolltarife arbeiten möchtest, können automatisierte Tools die Klassifizierung deutlich erleichtern.
- Plattformen wie Zolltarifnummer, TariffPilot oder Zonos nutzen KI, um Produkte zu klassifizieren. Sie lassen sich in deinen Onlineshop integrieren und unterstützen dich bei der Ermittlung von Zöllen, Steuern sowie HS- und TARIC-Codes.
- Einige Fulfillment-Partner und Versandunternehmen, darunter DHL und FedEx, bieten ebenfalls Tools oder Services zur Ermittlung von HS- und TARIC-Codes an.
- Wenn dein Unternehmen seinen Sitz in den USA hat und du international mit Shopifys Managed Markets verkaufst, weist die Plattform deinen Produkten automatisch HS-Codes zu und aktualisiert sie bei Änderungen der Zolltarife.
Diese Tools eignen sich besonders für einfache Produkte aus einem Material mit einer klaren Funktion. Bei komplexeren Waren, etwa Produkten aus verschiedenen Materialien oder Artikeln, die mehreren Warengruppen zugeordnet werden könnten, solltest du das Ergebnis jedoch nur als Ausgangspunkt betrachten. Für die korrekte Warenklassifizierung bleibst du letztlich selbst verantwortlich, unabhängig davon, welches Tool du verwendest. Im Zweifel solltest du Expert:innen für Zolltarifierung hinzuziehen.
Zusammenarbeit mit Zollagent:innen
Importierst du komplexe Produkte aus verschiedenen Materialien, besonders hochwertige Waren oder Produkte, für die mehrere Handelsabkommen gelten, kann die Zusammenarbeit mit Zollagent:innen sinnvoll sein.
Zollagent:innen können dich dabei unterstützen:
- komplexe Einreihungsfragen zu klären und bei Bedarf mit den Zollbehörden zu kommunizieren,
- Zollanmeldungen und andere Unterlagen korrekt vorzubereiten und einzureichen,
- eine Verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) zu beantragen, damit die Wareneinreihung rechtsverbindlich festgelegt wird und spätere Streitigkeiten vermieden werden.
So fügst du HS-Codes zu deinen Shopify-Produkten hinzu
Einfuhrabgaben hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem der Zollwert der Ware und die Versandkosten, die Produktkategorie gemäß HS-Code, das Ursprungsland, das Bestimmungsland sowie geltende Zollsätze und Handelsabkommen.
Hinweis: Shopify verwendet für Produkte den sechsstelligen HS-Code, da er den internationalen Standard für die Warenklassifizierung bildet. Bei der Einfuhr in die Europäische Union wird dieser später um weitere Stellen zum vollständigen TARIC-Code ergänzt.
So hinterlegst du einen HS-Code im Shopify-Admin:
- Melde dich in deinem Shopify-Admin an und öffne Produkte.
- Wähle das Produkt aus, das du bearbeiten möchtest.
- Scrolle zum Bereich Versand und stelle sicher, dass das Produkt als physisches Produkt gekennzeichnet ist.
- Ergänze die Zollinformationen:
- Wähle das Ursprungsland der Ware aus.
- Trage den HS-Code (sechs Stellen) ein. Wenn du mit der Eingabe einer Produktbeschreibung beginnst, schlägt Shopify passende HS-Codes vor.
- Optional kannst du zusätzliche länder- oder regionsspezifische Warencodes hinterlegen, wenn du in verschiedene Märkte verkaufst.
- Speichere deine Änderungen.
Wenn du viele Produkte verwaltest:
- Nutze den Bulk Editor. Öffne Produkte, wähle mehrere Produkte aus und klicke auf Bulk Editor. Füge anschließend die Spalte Harmonized System Code hinzu und trage die entsprechenden HS-Codes ein.
- Nutze Apps von Drittanbieter:innen. Apps wie Matrixify exportieren deine Produktdaten, ermöglichen die Bearbeitung von Zollinformationen wie HS-Codes und Ursprungsland und importieren die Daten anschließend wieder in deinen Shop.
Hinweis: Verkaufst du international, kannst du in Shopify Zölle und Einfuhrabgaben bereits beim Checkout berechnen und einziehen. Die entsprechenden Einstellungen findest du im Shopify-Admin unter Einstellungen > Steuern und Zollgebühren. Welche Funktionen dir zur Verfügung stehen, hängt von deinem Shopify-Plan sowie den Ländern ab, in die du verkaufst.
Die Zukunft von TARIC-Codes
Die Warenklassifizierung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Die folgenden Trends könnten die Zukunft von TARIC-Codes und des internationalen Warenverkehrs prägen:
- Künstliche Intelligenz (KI). Schon heute nutzt die Logistikbranche KI, um zeitaufwendige Prozesse zu automatisieren. Auch bei der Warenklassifizierung kann KI helfen, schneller passende HS- und TARIC-Codes zu finden, anstatt Zolltarife manuell zu durchsuchen.
- Handelsabkommen und geopolitische Entwicklungen. Die Weltzollorganisation (WCO) überprüft das Harmonisierte System regelmäßig und entwickelt es weiter. Neue Handelsabkommen, wirtschaftliche Veränderungen oder geopolitische Entwicklungen können dazu führen, dass Warencodes angepasst oder ergänzt werden. Informiere dich deshalb regelmäßig über Änderungen in der TARIC-Datenbank oder auf den Seiten der Europäischen Kommission.
- Nachhaltigkeit im internationalen Handel. Mit der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Produkten entstehen auch neue Anforderungen an die Warenklassifizierung. Gleichzeitig können sich handelspolitische Maßnahmen oder Zollregelungen weiterentwickeln, um bestimmte nachhaltige Produkte zu fördern.
Mit Blick auf die Zukunft hat die Weltzollorganisation auf ihrer Sitzung im Juni 2025 ein Projekt gestartet, um eine umfassende Überarbeitung des Harmonisierten Systems bis 2033 vorzubereiten. Ziel ist es nicht nur, neue Warenkategorien aufzunehmen, sondern das gesamte System weiterzuentwickeln. Die grundlegende Struktur des Harmonisierten Systems ist seit seiner Einführung im Jahr 1988 weitgehend unverändert geblieben.
FAQ: TARIC-Codes
Können sich TARIC-Codes ändern?
Ja. TARIC-Codes werden regelmäßig aktualisiert, etwa wenn neue Produkte auf den Markt kommen, sich Handelsabkommen ändern oder die Europäische Union neue handelspolitische Maßnahmen einführt. Informiere dich deshalb regelmäßig in der offiziellen TARIC-Datenbank der Europäischen Kommission über Änderungen.
Wie findest du den richtigen TARIC-Code?
Du kannst in der offiziellen TARIC-Datenbank der Europäischen Kommission nach Stichwörtern, Warennummern oder Kapiteln suchen. Ist die Einreihung deiner Ware besonders komplex, kannst du eine Verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) beantragen oder dich an Zollberater:innen oder Zolldienstleister:innen wenden.
Wie sieht ein TARIC-Code aus?
Das lässt sich am besten an einem Beispiel illustrieren: Der TARIC-Code für Grüntee (nicht fermentiert), in unmittelbaren Umschließungen mit einem Inhalt von höchstens 3 kg, lautet 0902100000.
- 0902 = Tee
- 10 = Grüntee (nicht fermentiert), in unmittelbaren Umschließungen mit einem Inhalt von höchstens 3 kg
- 00 = Kombinierte Nomenklatur (KN)
- 00 = TARIC-Unterteilung
Was ist der Unterschied zwischen einem HS-Code und einem TARIC-Code?
Der HS-Code besteht aus sechs Stellen und bildet den internationalen Standard für die Warenklassifizierung. Der TARIC-Code baut darauf auf und ergänzt den HS-Code um vier weitere Stellen mit EU-spezifischen Informationen. Dadurch können Zölle, Einfuhrbeschränkungen und andere handelspolitische Maßnahmen eindeutig bestimmt werden.
Sind HS-Code und Zolltarifnummer dasselbe?
Der HS-Code bildet die ersten sechs Stellen einer Zolltarifnummer und wird weltweit verwendet. In der Europäischen Union wird er durch die Kombinierte Nomenklatur (KN) und den TARIC-Code ergänzt. Deshalb ist jede TARIC-Nummer zwar auf einem HS-Code aufgebaut, ein HS-Code ist jedoch nicht dasselbe wie ein vollständiger TARIC-Code.
Was passiert, wenn du den falschen TARIC-Code verwendest?
Ein falscher TARIC-Code kann zu Verzögerungen bei der Zollabfertigung, Nachforderungen von Einfuhrabgaben oder Bußgeldern führen. In schwerwiegenden Fällen können Waren beschlagnahmt oder weitere zollrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden.
Kannst du die Klassifizierung von TARIC-Codes automatisieren?
Ja. Drittanbieter-Lösungen wie Zolltarifnummer, TariffPilot oder Zonos sowie einige Logistikunternehmen bieten Tools zur Unterstützung der Warenklassifizierung an. Bei komplexen Produkten solltest du automatisch vorgeschlagene Codes jedoch immer prüfen oder von einer Fachperson überprüfen lassen.




