Design beschreibt die Beziehung zwischen Funktion und Ästhetik in von Menschen geschaffenen Objekten. Das reicht von den ersten Jagdwerkzeugen bis hin zum Smartphone, das du heute in der Hand hältst. Die zentrale Frage ist, ob Design auch als unternehmerische Disziplin funktionieren kann.
Als Methode hilft es dir dabei, neu zu definieren, wie Menschen mit der Welt interagieren, und gezielt Innovationen zu entwickeln. Genau hier setzt Design-Thinking an. Dieser phasenbasierte und empathiegetriebene Ansatz hilft dir dabei, neue Märkte zu erschließen, Umsätze zu steigern und innovative Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln.
Viele technologische und gesellschaftliche Innovationen, die heute zu bekannten Marken gehören, sind aus der Design-Thinking-Methodik entstanden. Dazu zählen unter anderem Apples iPhone, die Mitfahrgelegenheits-App von Uber und der Streaming-Algorithmus von Netflix. Im Folgenden erfährst du, wie du Design-Thinking konkret in deinem Unternehmen einsetzt.
Was ist Design-Thinking?
Design-Thinking ist ein menschenzentrierter Design-Ansatz, mit dem du kreative Lösungen für komplexe Probleme entwickelst. Der Prozess setzt auf die gezielte Entwicklung von Ideen über mehrere Runden aus Analyse und Tests. So stellst du sicher, dass sich die besten Iterationen durchsetzen. Du kannst Design-Thinking in der Produktentwicklung einsetzen, um die Conversion Rate deiner Website zu verbessern oder um ein Logo zu gestalten.
Unabhängig davon, wie du Design-Thinking einsetzt, zeichnet sich der Ansatz durch zwei zentrale Merkmale aus:
- Menschenzentriert. Design-Thinking stellt die Nutzer:innen konsequent in den Mittelpunkt. Ziel ist es, unerfüllte Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und gezielt zu adressieren, für die du Lösungen entwickelst. Statt nur eine Hypothese zu überprüfen, geht es bei kreativer Problemlösung mit Design-Thinking darum, ein tiefes Verständnis für deine Zielgruppe aufzubauen. Genau dadurch bringt Design-Thinking das „Soziale” in soziale Innovation.
- Iterativ. Design-Thinking folgt keinem linearen Ablauf, sondern einem iterativen Prozess. Du reflektierst regelmäßig deine Ergebnisse und gehst bei Bedarf einen Schritt zurück, um danach bessere Lösungen zu entwickeln. Du erstellst Ideen als Mockups oder Prototypen, sammelst Feedback und testest sowie überarbeitest das Konzept in jeder Phase erneut.
5 Phasen des Design Thinking
1. Empathie entwickeln
Die Empathiephase im Design-Thinking ist eine gezielte Forschungsphase. Du baust hier ein solides Verständnis für die Bedürfnisse deiner Zielgruppe auf. Starte mit Marktforschung, um mehr über die Erfahrungen und Erwartungen deiner Kund:innen zu erfahren. In dieser Phase löst du noch keine komplexen Probleme und testest keine Hypothesen. Du stellst Fragen und identifizierst Herausforderungen. Oft formulierst du eine erste Problemstellung, um den Kontext dieser Probleme klar mit deinem Team zu teilen.
Du kannst Interviews oder Umfragen durchführen. Du kannst noch einen Schritt weitergehen und dich aktiv in die Lage deiner Kund:innen versetzen. Empathie erfordert bewusste Nähe. Wenn du Laufschuhe herstellst, bedeutet das zum Beispiel, Zeit auf der Laufbahn zu verbringen. Wenn du Marinaden oder Gewürze entwickelst, begleitest du Hobbyköch:innen oder arbeitest einige Schichten in einer Restaurantküche mit.
2. Definieren
Auf Basis der Erkenntnisse aus der Empathiephase grenzt du nun deine Ziele ein. Du klärst, welche konkreten Lösungen du deinen Kund:innen bieten möchtest. Stell dir vor, du entwickelst Campingausrüstung, um Outdoor-Abenteuer angenehmer zu machen. Dann könntest du dich darauf konzentrieren, extrem leichte und leicht zu reinigende Kochutensilien zu entwickeln, statt lediglich tragbare Varianten klassischer Küchengeräte anzubieten. Arbeitest du im UX-Design, kann dein Ziel darin bestehen, Nutzer:innen dabei zu helfen, bewusst weniger oder gezielt mehr Zeit in deiner App zu verbringen.
Diese Zieldefinition ist ein zentraler Bestandteil von Design-Thinking. Sie macht den Ansatz konsequent nutzerzentriert. Gleichzeitig hilft sie dir, deine geschäftliche Perspektive darauf auszurichten, echten Mehrwert für deine Kund:innen zu schaffen, statt nur auf Wettbewerber:innen im Markt zu reagieren.
3. Ideenfindung
In der Ideenfindungsphase entwickelst du kreative Lösungsansätze für die zuvor identifizierten Probleme. In dieser Phase geht es bewusst darum, Möglichkeiten zu sammeln und Optionen zu öffnen, nicht darum, Entscheidungen zu treffen oder Ideen zu bewerten.
Dieser Schritt gehört oft zu den unterhaltsamsten Teilen des Design-Thinking-Prozesses. Nichts ist tabu. Viele Methoden der Ideenfindung arbeiten mit schnellen Übungen, Spielen oder Impulsen, die Spontaneität und freie Assoziation fördern. Jetzt ist der richtige Moment, um deine kühnsten und erfinderischsten Ideen auszusprechen. Wenn dir zu jedem Problem als Erstes einfällt, dass Menschen dafür auf den Mars umziehen müssten, dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Gedanken.
4. Prototyping
In der Prototyping-Phase werden deine Ideen zu greifbaren Entwürfen. Du erstellst einfache Modelle oder mehrere vorläufige Versionen, um zu prüfen, welche Ansätze sich für eine reale Anwendung eignen und welche nicht. Betrachte diese Phase als einen Raum für mögliche Lösungen.
Prototyping hilft dir, frühzeitig Nutzerfeedback zu sammeln und zu überprüfen, ob du die Probleme löst, die du in der Empathie-Phase identifiziert hast. Durch das Testen sparst du Zeit und Kosten. Du kannst Modelle verwerfen, die schlecht funktionieren oder wirtschaftlich nicht tragfähig sind, und dich auf Varianten konzentrieren, die ohne grundlegende Entwicklungsfehler auskommen.
5. Veröffentlichen, beobachten und neu starten
Im letzten Schritt veröffentlichst du dein Design und beobachtest, wie Nutzer:innen darauf reagieren. Anschließend startest du den Design-Thinking-Prozess erneut bei Schritt eins. Design-Thinking kennt keinen festen Endpunkt. Es ist ein fortlaufender Kreislauf aus Innovation und Experimentieren mit ständigem Verbesserungspotenzial.
Während du dein Design im Einsatz beobachtest, reflektierst du die Schritte, mit denen du Empathie für deine Kund:innen aufgebaut hast. Du prüfst, ob du ihre Bedürfnisse und Erwartungen wirklich erfüllst. Du hinterfragst, ob dein Ansatz die geplanten Probleme löst und welche neuen Erkenntnisse sich aus der Anwendung in der Praxis ergeben.
Diese Rückkopplung macht Design-Thinking iterativ und konsequent menschenzentriert. Jede Veröffentlichung gilt als eine Iteration und als Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung deines Konzepts. Der Fokus liegt dabei auf der menschlichen Erfahrung und nicht auf reinen Kennzahlen.
Wie du Design-Thinking in deiner Arbeit anwendest
Zu lernen, wie und wann du Design-Thinking in deine tägliche Arbeit integrierst, braucht Zeit. Beginne damit, Design-Thinking-Prinzipien auf alltägliche Situationen anzuwenden. So erkennst du, welche Methoden Ideen hervorbringen, die es wert sind, weiterverfolgt und getestet zu werden. Dabei helfen dir einige grundlegende Leitlinien:
- Akzeptiere Unsicherheit. Du wirst auf Probleme stoßen, die sich in frühen Phasen überwältigend anfühlen können. Weiche diesen Herausforderungen nicht aus. Sie eröffnen oft neue Perspektiven und führen zu unerwarteten Ideen.
- Lerne aus Fehlern. Design-Thinking ist ein bewusst fehlertoleranter Ansatz. Er belohnt Ausprobieren und Engagement. Gib Ideen nicht auf, nur weil sie nicht sofort funktionieren. Betrachte Rückschläge als unfertige Lösungen und nutze die gewonnenen Erkenntnisse für deine nächsten Schritte.
- Hinterfrage Annahmen und Schlussfolgerungen. Die frühen Phasen des Design-Thinking-Prozesses helfen dir, Vorannahmen über die Wünsche und Bedürfnisse deiner Kund:innen loszulassen. Auch nach einer erfolgreichen Veröffentlichung solltest du Design-Thinking nutzen, um bestehende Lösungen weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Design-Thinking ist eine Fähigkeit. Wie jede Fähigkeit entsteht sie durch Übung. Wenn Design-Thinking greift, entstehen neue Ideen aus offenem, aktivem Engagement. Je häufiger du und dein Team diesen Ansatz anwenden, desto stärker wächst euer kreatives Selbstvertrauen. Die Aha-Momente treten dann immer öfter auf.
FAQ Design-Thinking
Was bedeutet Design-Thinking?
Design-Thinking ist ein menschenzentrierter Design-Ansatz zur Entwicklung alternativer Lösungen für komplexe Probleme. Er ist nicht mit klassischen Designprinzipien zu verwechseln, da er sich nicht auf Gestaltung beschränkt, sondern auf strukturiertes Problemlösen mit Fokus auf menschliche Bedürfnisse.
Was sind die Phasen des Design-Thinking?
Die fünf Phasen des Design-Thinking sind:
- Empathie entwickeln
- Definieren
- Ideenfindung
- Prototyping
- Veröffentlichen, beobachten und neu starten.
Diese Phasen folgen zwar einer logischen Reihenfolge, der Prozess ist jedoch nicht linear. Design-Thinking ermutigt dich dazu, Erkenntnisse aus jeder Phase zu hinterfragen und bei Bedarf zu früheren Schritten zurückzukehren.
Wer hat den Begriff „Design Thinking" geprägt?
Herbert A. Simon, Kognitionswissenschaftler und Nobelpreisträger, entwickelte 1969 die bekannteste frühe Vorstellung von Design-Thinking. Seitdem haben viele weitere Denker:innen und Design-Teams den Ansatz kritisiert, weiterentwickelt und neu interpretiert. Dieses fortlaufende Überdenken treibt die zentralen Prinzipien des Design-Thinking bis heute voran.





