Variable Kosten spielen bei der Finanz- und Preiskalkulation eines Unternehmens eine wichtige Rolle. Sie entstehen abhängig davon, wie viele Produkte du herstellst, einkaufst oder verkaufst. Besonders im E-Commerce solltest du diese Kosten genau kennen: Steigt dein Umsatz, nehmen häufig auch Ausgaben für Waren, Verpackungen, Zahlungen und Versand zu.
In diesem Beitrag erfährst du, was variable Kosten sind, wie sie sich von Fixkosten unterscheiden und mit welchen Formeln du sie berechnen kannst. Ein Beispiel zeigt dir außerdem, wie du die variablen Kosten eines Onlineshops ermittelst.
Was sind variable Kosten?
Variable Kosten sind Ausgaben, deren Höhe sich mit der Produktions-, Einkaufs- oder Absatzmenge verändert. Produziert oder verkauft ein Unternehmen mehr, steigen diese Kosten in der Regel. Sinkt die Menge, gehen auch die variablen Kosten zurück. Typische Beispiele sind der Wareneinsatz, Verpackungsmaterial und mengenabhängige Versandkosten.
Was ist der Unterschied zwischen variablen Kosten und Fixkosten?
Der wichtigste Unterschied besteht darin, wie sich die Kosten bei einer Veränderung der Produktions- oder Verkaufsmenge verhalten.
Variable Kosten verändern sich abhängig von einer bestimmten Bezugsgröße. Verkaufst du beispielsweise doppelt so viele Produkte, benötigst du in der Regel auch mehr Waren und Verpackungsmaterial.
Fixkosten fallen dagegen unabhängig davon an, wie viele Produkte du in einem bestimmten Zeitraum verkaufst. Dazu können etwa die Miete für ein Büro oder feste monatliche Softwarekosten gehören.
| Variable Kosten | Fixkosten |
|---|---|
| Wareneinsatz | Büro- oder Lagermiete |
| Produktverpackungen | Versicherungen |
| mengenabhängige Versandkosten | feste Software-Abonnements |
| Verkaufsprovisionen | feste Grundgebühren |
| leistungsabhängige Löhne | feste Monatsgehälter |
Die Zuordnung ist nicht bei jeder Kostenart eindeutig. Personalkosten sind beispielsweise Fixkosten, wenn Beschäftigte ein festes Monatsgehalt erhalten. Werden Löhne dagegen abhängig von der erbrachten Leistung oder produzierten Menge gezahlt, können sie zu den variablen Kosten zählen.
Auch Kosten mit einem festen und einem veränderlichen Anteil kommen vor. Ein Versanddienstleister könnte beispielsweise eine monatliche Grundgebühr und zusätzlich einen Betrag pro verschicktem Paket berechnen. Die Grundgebühr ist fix, während der Betrag pro Paket variabel ist.
Welche Beispiele für variable Kosten gibt es?
Welche variablen Kosten entstehen, hängt vom Geschäftsmodell und den betrieblichen Abläufen ab. Häufig zählen dazu:
- Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
- eingekaufte Waren
- Verpackungsmaterial
- leistungsabhängige Löhne
- Produktionsenergie
- Verkaufsprovisionen
- Transportkosten
- Fremdleistungen
- mengenabhängige Lagerkosten
Nicht jede dieser Ausgaben ist in jedem Unternehmen automatisch variabel. Entscheidend ist, ob sich ihre Höhe durch eine veränderte Produktions-, Leistungs- oder Absatzmenge verändert.
Welche variablen Kosten entstehen im E-Commerce?
Bei einem E-Commerce-Unternehmen entstehen variable Kosten entlang des gesamten Bestellprozesses. Sie beginnen häufig beim Einkauf oder bei der Herstellung eines Produkts und reichen bis zur Zustellung und möglichen Retoure.
Wareneinsatz
Der Wareneinsatz umfasst die Kosten für die Produkte, die du verkaufst. Stellst du deine Waren selbst her, zählen dazu beispielsweise Rohstoffe, Bauteile und weitere direkt benötigte Materialien.
Kaufst du fertige Produkte ein, bildet der Einkaufspreis einen wesentlichen Teil deiner variablen Kosten. Verkaufst du mehr Einheiten, musst du üblicherweise auch mehr Ware beschaffen.
Verpackungskosten
Kartons, Versandtaschen, Füllmaterial, Klebeband und Versandetiketten verursachen Kosten pro Bestellung oder Paket. Der tatsächliche Betrag kann davon abhängen, wie viele Artikel sich in einer Bestellung befinden und welche Verpackungsgröße benötigt wird.
Fulfillmentkosten
Übernimmt ein externer Dienstleister Lagerung, Kommissionierung und Verpackung, können Gebühren pro Bestellung, Artikel oder Paket anfallen. Mengenunabhängige Grundgebühren gehören dagegen eher zu den Fixkosten.
Zahlungsgebühren
Bei der Zahlungsabwicklung können Gebühren entstehen, die vom Bestellwert oder von der Anzahl der Transaktionen abhängen. Besteht eine Gebühr aus einem festen Betrag pro Transaktion und einem prozentualen Anteil, verändern sich beide Bestandteile mit deinen Bestellungen beziehungsweise Umsätzen.
Versandkosten
Berechnet ein Versanddienstleister einen Preis pro Paket, steigen deine Versandkosten mit der Zahl der verschickten Bestellungen. Zusätzliche Faktoren können das Paketgewicht, die Größe, das Zielland oder die gewählte Versandart sein.
Verkaufs- und Partnerprovisionen
Verkaufst du über zusätzliche Vertriebskanäle oder arbeitest mit Affiliate-Partner:innen, können Provisionen pro Verkauf entstehen. Da diese Ausgaben nur bei einem erfolgreichen Verkauf anfallen, gehören sie üblicherweise zu den variablen Kosten.
Retourenkosten
Retouren können unter anderem Kosten für Rückversand, Prüfung, Aufbereitung, Neuverpackung und Zahlungsrückabwicklung verursachen. Kann ein zurückgesendetes Produkt nicht mehr zum ursprünglichen Preis verkauft werden, kann zusätzlich ein Wertverlust entstehen.
Ob einzelne Retourenkosten tatsächlich variabel sind, hängt von deinen Verträgen und internen Abläufen ab. Ein festes Monatsentgelt für ein Retourenportal wäre beispielsweise eher eine fixe Ausgabe.
Welche Arten variabler Kosten gibt es?
Variable Kosten müssen nicht immer im gleichen Verhältnis wie die Bezugsgröße steigen. In der Kostenrechnung werden vier Kostenverläufe unterschieden.
Proportionale variable Kosten
Proportionale Kosten verändern sich im gleichen Verhältnis wie die Bezugsgröße. Verdoppelt sich die Verkaufsmenge, verdoppeln sich auch die variablen Gesamtkosten.
Beispiel: Für jedes verschickte Paket benötigst du einen Versandkarton für einen Euro. Bei 100 Paketen entstehen 100 Euro, bei 200 Paketen 200 Euro Verpackungskosten.
Degressive variable Kosten
Degressive Kosten steigen langsamer als die Produktions- oder Verkaufsmenge. Das kann beispielsweise durch Mengenrabatte entstehen.
Bestellst du größere Warenmengen bei Lieferant:innen, kann der Einkaufspreis pro Stück sinken. Deine gesamten Einkaufskosten steigen zwar weiter, aber weniger stark als die beschaffte Menge.
Progressive variable Kosten
Progressive Kosten steigen schneller als die Bezugsgröße. Das kann vorkommen, wenn bei einem ungewöhnlich hohen Bestellaufkommen zusätzliche Expresslieferungen oder Zuschläge für kurzfristig benötigte Kapazitäten anfallen.
Regressive variable Kosten
Bei regressiven Kosten sinken die variablen Gesamtkosten, obwohl die Bezugsgröße steigt. Dieser Verlauf kommt in der Praxis seltener vor. Er kann beispielsweise durch deutliche Effizienzgewinne oder eine veränderte Nutzung betrieblicher Ressourcen entstehen.
Wie berechnet man variable Kosten?
Abhängig von den vorhandenen Angaben kannst du variable Kosten auf zwei Arten berechnen.
Variable Kosten mit Stückkosten und Menge berechnen
Kennst du die variablen Kosten pro Stück, multiplizierst du sie mit der Absatz- oder Produktionsmenge:
Variable Gesamtkosten = variable Stückkosten × Menge
Ein Onlineshop verkauft 300 Produkte. Pro Produkt entstehen variable Kosten von 12 Euro:
12 Euro × 300 = 3.600 Euro
Die variablen Gesamtkosten betragen somit 3.600 Euro.
Variable Kosten aus den Gesamtkosten berechnen
Sind dir die Gesamt- und Fixkosten bekannt, ziehst du die Fixkosten von den Gesamtkosten ab:
Variable Kosten = Gesamtkosten − Fixkosten
Entstehen in einem Monat Gesamtkosten von 10.000 Euro und davon 4.000 Euro Fixkosten, ergibt sich:
10.000 Euro − 4.000 Euro = 6.000 Euro
Die variablen Kosten betragen 6.000 Euro.
Wie berechnet man variable Stückkosten?
Variable Stückkosten zeigen, welcher Anteil der variablen Gesamtkosten durchschnittlich auf ein Produkt oder eine andere Mengeneinheit entfällt.
Die Formel lautet:
Variable Stückkosten = variable Gesamtkosten ÷ Menge
Verkaufst du 500 Produkte und entstehen dabei variable Gesamtkosten von 6.000 Euro, berechnest du:
6.000 Euro ÷ 500 = 12 Euro
Die durchschnittlichen variablen Kosten betragen 12 Euro pro Produkt.
Diese Kennzahl hilft dir unter anderem bei der Preis- und Margenkalkulation. Dabei solltest du beachten, dass die durchschnittlichen Stückkosten je nach Verkaufsmenge schwanken können. Mengenrabatte, unterschiedliche Versandarten oder veränderte Bestellgrößen können dazu führen, dass nicht jede Einheit exakt dieselben Kosten verursacht.
Beispiel: Variable Kosten eines Onlineshops berechnen
Ein Onlineshop verkauft Trinkflaschen für jeweils 35 Euro. In einem Monat werden 500 Flaschen verkauft. Pro verkauftem Produkt entstehen folgende Kosten:
| Kostenart | Kosten pro Produkt |
|---|---|
| Wareneinkauf | 10,00 Euro |
| Produkt- und Versandverpackung | 1,20 Euro |
| Fulfillment | 2,00 Euro |
| Zahlungsgebühren | 1,00 Euro |
| Versand | 4,50 Euro |
| Variable Kosten pro Produkt | 18,70 Euro |
Die variablen Gesamtkosten berechnest du, indem du die variablen Stückkosten mit der verkauften Menge multiplizierst:
18,70 Euro × 500 = 9.350 Euro
Der Onlineshop erzielt mit den 500 verkauften Flaschen folgenden Umsatz:
35 Euro × 500 = 17.500 Euro
Nach Abzug der variablen Kosten verbleibt ein Deckungsbeitrag von:
17.500 Euro − 9.350 Euro = 8.150 Euro
Dieser Betrag steht zur Verfügung, um Fixkosten wie Miete, feste Softwarekosten, Versicherungen oder Gehälter zu decken. Erst wenn auch diese Ausgaben abgezogen wurden, lässt sich beurteilen, ob das Unternehmen einen Gewinn erzielt.
Wie hängen variable Kosten und Deckungsbeitrag zusammen?
Der Deckungsbeitrag zeigt, welcher Betrag nach Abzug der variablen Kosten vom Umsatz übrig bleibt:
Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten
Du kannst ihn für das gesamte Unternehmen, einzelne Produkte, Bestellungen oder Vertriebskanäle berechnen.
Ein positiver Deckungsbeitrag bedeutet zunächst nur, dass ein Verkauf mehr Umsatz einbringt, als er unmittelbar an variablen Kosten verursacht. Ob dein Unternehmen insgesamt profitabel arbeitet, hängt zusätzlich von der Höhe der Fixkosten ab.
Entspricht der gesamte Deckungsbeitrag genau den Fixkosten, ist der Break-even-Point erreicht. Das Unternehmen erzielt dann weder Gewinn noch Verlust.
Für die Preisgestaltung ist der Deckungsbeitrag besonders wichtig. Ein Verkaufspreis sollte nicht nur den Wareneinsatz berücksichtigen. Auch Verpackung, Zahlungsabwicklung, Versand, Provisionen und durchschnittliche Retourenkosten können die tatsächliche Marge beeinflussen.
Wie beeinflussen Rabatte und kostenloser Versand die variablen Kosten?
Rabatte reduzieren den Umsatz pro Bestellung, während viele variable Kosten unverändert bleiben. Ein Versandkarton, eine Zahlungsabwicklung oder ein Fulfillmentprozess können unabhängig davon denselben Betrag kosten, ob du ein Produkt zum regulären oder zum reduzierten Preis verkaufst.
Ähnlich verhält es sich mit kostenlosem Versand. Für Kund:innen ist die Lieferung zwar kostenlos, dein Unternehmen muss die Versandkosten jedoch weiterhin tragen. Dadurch sinkt der Deckungsbeitrag der Bestellung.
Vor einer Rabattaktion solltest du deshalb berechnen:
- wie hoch die variablen Kosten pro Produkt oder Bestellung sind
- welcher Deckungsbeitrag nach dem Rabatt verbleibt
- ob ein Mindestbestellwert erforderlich ist
- wie viele zusätzliche Verkäufe nötig wären, um die geringere Marge auszugleichen
- ob sich die Aktion auf Produkte mit ausreichend hohem Deckungsbeitrag beschränken sollte
Mehr Umsatz bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn. Entscheidend ist, wie viel nach Abzug der variablen und fixen Kosten übrig bleibt.
Wie kannst du variable Kosten senken?
Variable Kosten lassen sich nicht vollständig vermeiden, da sie direkt mit dem Verkauf deiner Produkte verbunden sind. Du kannst jedoch prüfen, ob sich einzelne Prozesse effizienter gestalten lassen.
- Analysiere die Kosten pro Produkt und Bestellung: Erfasse nicht nur den Wareneinsatz, sondern auch Verpackungs-, Zahlungs-, Fulfillment-, Versand- und Retourenkosten. So erkennst du, welche Positionen deine Marge besonders stark belasten.
- Vergleiche Lieferkonditionen: Mengenrabatte können den Einkaufspreis pro Stück senken. Berücksichtige dabei jedoch zusätzliche Lagerkosten und das Risiko, dass sich größere Warenbestände nicht wie geplant verkaufen.
- Standardisiere Verpackungen: Eine geringere Anzahl unterschiedlicher Verpackungsgrößen kann Einkauf und Versand vereinfachen. Die Verpackung sollte dennoch zum Produkt passen, damit unnötiges Füllmaterial oder höhere Versandtarife vermieden werden.
- Prüfe Versandkosten nach Region und Paketgröße: Untersuche, welche Produkt- und Bestellkombinationen hohe Versandkosten verursachen. Ein sinnvoll kalkulierter Mindestbestellwert kann dabei helfen, die Kosten auf einen höheren Bestellwert zu verteilen.
- Reduziere vermeidbare Retouren: Aussagekräftige Produktbeschreibungen, genaue Maße und realistische Produktbilder können Kund:innen bei der Kaufentscheidung unterstützen. Je besser die Erwartungen zum Produkt passen, desto geringer ist das Risiko vermeidbarer Rücksendungen.
- Bewerte Vertriebskanäle getrennt: Ein Produkt kann je nach Verkaufskanal unterschiedliche variable Kosten verursachen. Vergleiche deshalb nicht nur den Umsatz, sondern den tatsächlichen Deckungsbeitrag jedes Kanals.
- Kalkuliere Rabattaktionen vorab: Lege Rabatte nicht allein anhand des Verkaufspreises fest. Berechne zunächst, wie sich die Preisreduzierung auf den Deckungsbeitrag pro Produkt und auf das Gesamtergebnis auswirkt.
Fazit
Variable Kosten verändern sich mit der Menge der produzierten, eingekauften oder verkauften Produkte. Dazu können unter anderem Wareneinsatz, Verpackungen, Versandkosten, Zahlungsgebühren und Verkaufsprovisionen gehören.
Für einen Onlineshop reicht es deshalb nicht aus, nur den Einkaufspreis eines Produkts zu betrachten. Erst wenn du sämtliche variablen Kosten pro Produkt oder Bestellung erfasst, kannst du Preise, Rabatte und Margen realistisch kalkulieren.
Die regelmäßige Analyse der variablen Kosten hilft dir zu erkennen, welche Produkte und Vertriebskanäle tatsächlich zur Deckung deiner Fixkosten und zu einem möglichen Gewinn beitragen.




