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Umsatzsteuersätze EU: Neue Regelungen für Onlinehändler (seit 2021)

Umsatzsteuersätze EU: Neue Regelungen für Onlinehändler (seit 2021)

Die Europäische Union (EU) nahm wichtige Änderungen an ihren Umsatzsteuerregeln vor, die am 1. Juli 2021 in Kraft getreten sind. Dies wird sich auf Unternehmen auswirken, die über EU-Ländergrenzen hinweg verkaufen (auch bekannt als Fernverkäufe) und auf Unternehmen, die Waren an Käufer:innen in der EU exportieren.

Diese Änderungen sollen zu einfacheren Verfahren und einem geringeren Verwaltungsaufwand führen und haben weiterreichende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Händler:innen in der EU-Geschäfte tätigen. Dieser Leitfaden gibt einen Überblick über die wichtigsten Änderungen und wie sie sich auf Händler:innen auswirken, die an Käufer:innen in der EU verkaufen.


Diese Umsatzsteuersätze gelten in der EU

Mitgliedsstaat

Bezeichnung

Ermäßigte Sätze

Normalsatz

Belgien

TVA, BTW

6%, 12%

21%

Bulgarien

DDS

9%

20%

Dänemark

MOMS

-

25%

Deutschland

USt

7%

19%

Estland

KMR

9%

20%

Finnland

AVL, ML

10%, 14%

24%

Frankreich

TVA

5,5%, 10%

20%

Griechenland

FPA

6%, 13%

24%

Irland

VAT

(4,8%), 9%, 13,5%

23%

Italien

IVA

(4,8%), 5%, 10%

22%

Kroatien

PDV

5%, 13%

25%

Lettland

PVN

5%, 12%

21%

Litauen

PVM

5%, 9%

21%

Luxemburg

TVA

8%

17%

Malta

VAT

5%, 7%

18%

Niederlande

OB, BTW

9%

21%

Österreich

VAT

10%, 13%

20%

Polen

VAT

5%, 8%

23%

Portugal

IVA

6%, 13%

23%

Rumänien

TVA

5%, 9%

19%

Schweden

ML

6%, 12%

25%

Slowakei

DPH

10%

20%

Slowenien

DDV

5%, 9,5%

22%

Spanien

IVA

10%

21%

Tschechien

DPH

10%, 15%

21%

Ungarn

AFA

5%, 18%

27%

Zypern

FPA

5%, 9%

19%


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Inhaltsverzeichnis

Was ändert sich für den innergemeinschaftlichen Warenverkauf?

Es gibt drei wichtige Änderungen, die sich auf den Schwellenwert für die Umsatzsteuer, den für grenzüberschreitende Bestellungen geltenden Satz und die Steuererklärung für EU-Unternehmen auswirken:

  • Beendigung der Regeln für Fernabsatzschwellen. Derzeit müssen sich EU-Händler:innen in anderen EU-Ländern für die MwSt. registrieren, sobald sie einen bestimmten länderspezifischen Schwellenwert erreichen. Dies sind zum Beispiel 100.000 Euro für Deutschland und 35.000 Euro für Frankreich. Am 1. Juli wurden diese Schwellenwerte für den Fernabsatz zurückgezogen. Grenzüberschreitende Verkäufer:innen müssen ab dem ersten Verkauf den Umsatzsteuersatz des Wohnsitzlandes des Käufers bzw. der Käuferin berechnen, es sei denn, der Schwellenwert für Kleinstunternehmen gilt.
  • Neuer EU-weiter Schwellenwert für Kleinstunternehmen. Es gibt eine neue Ausnahmeregelung für Kleinstunternehmen, die in einem EU-Land ansässig sind und in den letzten zwei Jahren jeweils nicht mehr als 10.000 Euro Umsatz erzielt haben. Händler:innen, die sich für diese Befreiung qualifizieren, können weiterhin den lokalen Umsatzsteuersatz des EU-Landes, aus dem die Lieferung stammt, für alle belieferten EU-Länder berechnen und weiterhin an ihre lokale Steuerbehörde abführen. 
  • Steuererklärung über OSS (einzige Anlaufstelle in der EU) Händler:innen können jetzt eine einzige Umsatzsteuererklärung einreichen, die als OSS-Erklärung bekannt ist und für mehrere EU-Länder funktioniert, was keine individuelle Steuerregistrierung für jedes der entsprechenden Länder erfordert. Händler:innen können das OSS-Portal nutzen, um die MwSt. für jedes EU-Land, in das sie liefern, zu erklären und abzuführen. Dies gilt unter der Voraussetzung, dass es sich nicht um ihr Heimatland oder eine inländische Lieferung in einem Land handelt, in dem sie einen physischen Standort haben oder Lagerbestände halten. Für diese genannten Länder sollten Händler:innen stattdessen weiterhin eine lokale Steuererklärung einreichen. Die OSS vereinfacht den Anmeldeprozess und erspart ihnen die Mühe, sich in mehreren Ländern zu registrieren. Der Händler bzw. die Händlerin muss eine elektronische vierteljährliche Umsatzsteuererklärung über sein inländisches OSS-Portal einreichen und sicherstellen, dass er Aufzeichnungen für alle zulässigen OSS-Verkäufe zehn Jahre lang aufbewahrt.
Am 1. Juli 2021 wurde die Steuereinstellungen bei Shopify automatisch aktualisiert, um den Mehrwertsteuersatz des Versandlandes des Käufers bzw. der Käuferin für Verkäufe innerhalb der EU zu berechnen. Händler:innen mit Sitz in der EU, die sich für die Ausnahme für Kleinstunternehmen qualifizieren und weiterhin den Mehrwertsteuersatz ihres Heimatlandes berechnen möchten, müssen ihre Steuereinstellungen in Shopify aktualisieren, um dies zu berücksichtigen.
Diejenigen, die sich nicht für die Befreiung für Kleinstunternehmen qualifizieren, haben die Möglichkeit, entweder eine einzige Umsatzsteuererklärung für die gesamte EU abzugeben (One-Stop-Shop-Anmeldung) oder eine separate Umsatzsteuererklärung für jedes EU-Land einzureichen, in das sie liefern (länderspezifische Registrierung). Aktualisiere deine Steuereinstellungen in Shopify basierend auf der Wahl, die für dein Unternehmen am sinnvollsten ist.

Jetzt Steuereinstellungen in Shopify anpassen

Welche Änderungen ergeben sich für Unternehmen, die Waren an Käufer:innen in der EU exportieren?

Es gibt zwei wichtige Änderungen, die sich auf den Schwellenwert für die Mehrwertsteuer und die Steueranmeldung für Nicht-EU-Unternehmen auswirken:

    • Neue Umsatzsteuerschwelle von 150 Euro für Importe: Vorher war Kundschaft, die Sendungen im Wert von unter 22 Euro importiert hat, von der MwSt. befreit. Am 1. Juli 2021 wurde dann die Einfuhrumsatzsteuer auf alle Sendungen bis zu 150 Euro fällig. Oberhalb dieses Schwellenwerts werden weiterhin die Einfuhrumsatzsteuer sowie entsprechende Zölle erhoben. Onlinehändler:innen können sich dafür entscheiden, die Mehrwertsteuer auf Sendungen mit geringem Wert am Verkaufsort zu erheben, anstatt die Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen. Wenn sie sich stattdessen für DDU/Delivered Duty Unpaid (Lieferung unverzollt) entscheiden, wird die Einfuhrumsatzsteuer von den Kaufenden getragen. Diese Mehrwertsteuer wird von den Postbetreiber:innen/Zollbeamt:innen im Namen der Kundschaft abgeführt. Außerdem können zusätzliche Vermittlungsgebühren anfallen. Im Falle von Fernverkäufen von importierten Waren mit einem Wert von 150 Euro, die durch Online-Marktplätze bzw. Plattformen vermittelt werden, wird der Marktplatz/die Plattform für diese Verkäufe mehrwertsteuerpflichtig. Bitte beachte, dass Shopify weder als vermittelnder Online-Marktplatz noch als Plattform auftritt.
    • Erklärung über die einzige Anlaufstelle für den Import (IOSS): Händler:innen, die MwSt. auf Waren mit geringem Wert erheben, können mit dem neu eingeführten Import-OSS (IOSS) eine einzige monatliche Umsatzsteuererklärung für alle Exporte in die EU einreichen, die nicht über einen vermittelnde Online-Marktplatz bzw. eine Plattform erbracht wurden. Die Verwendung von IOSS ist optional. Nicht-EU-Händler:innen, die sich für die Nutzung von IOSS entscheiden, müssen möglicherweise einen steuerlichen Vertreter bzw. eine Vertreterin benennen.
Am 1. Juli 2021 hat Shopify die Steuereinstellungen automatisch aktualisiert, um den Mehrwertsteuersatz des Versandlandes der Käufer:innen für Bestellungen innerhalb der EU zu berechnen. Dies schließt Bestellungen ein, die von einem Fulfillment Center in der EU an einen Standort in der EU versandt werden.

Du hast die Möglichkeit, entweder eine einzige Umsatzsteuererklärung für die gesamte EU (One-Stop-Shop-Anmeldung) oder für jedes EU-Land, in das du lieferst, eine separate Umsatzsteuererklärung abzugeben (länderspezifische Anmeldung). Aktualisiere deine Steuereinstellungen in Shopify basierend auf der Wahl, die für dein Unternehmen am sinnvollsten ist.

Wenn du Produkte aus Ländern außerhalb der EU in die EU lieferst und die Mehrwertsteuer auf Bestellungen bis zu 150 € berechnen möchtest, musst du deine Steuereinstellungen mit deiner Import-One-Stop-Shop-Mehrwertsteuernummer aktualisieren, damit du eine einzige Mehrwertsteuererklärung für die gesamte EU einreichen kannst.

Jetzt Steuereinstellungen in Shopify anpassen

Shopify  unterstützt Händler:innen während solcher Änderung fortlaufend. Halte dich darüber auf dem Laufenden, wie du deine EU-Steuerangelegenheiten vereinfachen und die neuen gesetzlichen Anforderungen erfüllen kannst.

Wie du deinen Onlineshop ganz allgemein rechtssicher machen kannst, lernst du in diesem kostenlosen Webinar und E-Book.

Elektronische Schnittstellen

Elektronische Schnittstellen, die den Verkauf von Waren an Verbraucher:innen in der EU „vermitteln“, können zusätzliche Verpflichtungen zur Erhebung und Meldung der Mehrwertsteuer haben, da davon ausgegangen wird, dass sie diese Waren kaufen und weiterverkaufen, wenn: 

    • Die Waren von außerhalb der EU an Verbraucher:innen in der EU in einer Sendung mit einem inneren Wert von nicht mehr als 150 € versandt werden; oder,
    • die Waren innerhalb der EU an Verbraucher:innen versandt werden und der Verkäufer bzw. die Verkäuferin der Waren ein nicht in der EU ansässiges Unternehmen ist.

Wenn du noch auf der Suche nach Inspiration für deinen Onlineshop bist, dann beschäftigen wir uns in diesem Beitrag mit der Frage "Was lässt sich gut verkaufen?"

    Wissenswertes zur Registrierung

    1. Wie registriere ich mich auf OSS?

    Jeder EU-Mitgliedsstaat wird ein Online-OSS-Portal haben, auf dem man sich registrieren kann. Diese einmalige Registrierung gilt für alle Verkäufe an Verbraucher:innen in anderen EU-Mitgliedstaaten, in denen dein Unternehmen keine physische Präsenz hat.

    Lesetipp: Wie Die Höhle der Löwen erfolgreiche Produkte hervorgebracht hat, die mit Shopify durchgestartet sind, erfährst du in diesem Beitrag.  

    2. In welchem EU-Land soll ich mich für OSS registrieren?

      EU-Händler:innen müssen sich in ihrem Niederlassungsland registrieren. Nicht-EU-Händler:innen sollten sich grundsätzlich in dem Land registrieren lassen, in dem der Transport beginnt. Wenn Waren aus mehreren EU-Ländern versendet werden, können die Nicht-EU-Händler:innen das EU-Land wählen, in dem sie sich registrieren möchten.

      Erfahre, worauf du in puncto Dropshipping Steuern achten musst.

      3. Was muss ich beachten, wenn ich die OSS verwende?

      Wenn du die OSS verwendest, musst du: 

      • den Mehrwertsteuersatz des Mitgliedstaates anwenden, in den die Waren versandt werden oder in dem die Dienstleistungen steuerpflichtig sind
      • die Umsatzsteuer vom Käufer bzw. der Käuferin bei innergemeinschaftlichen Fernverkäufen von Waren oder bei der Erbringung von Dienstleistungen erheben 
      • eine elektronische vierteljährliche Umsatzsteuererklärung über das OSS-Portal des Mitgliedstaates einreichen, in dem du für OSS registriert bist
      • Vierteljährlich die in der Umsatzsteuererklärung angegebene Umsatzsteuer an den Mitgliedsstaat abführen, in dem du für OSS registriert bist
      • Aufzeichnungen über alle zulässigen OSS-Verkaufseinnahmen erfassen

      Lesetipp: Lerne alles über Shopify und die Mehrwertsteuer in der EU in diesem Beitrag.

      4. Warum sollte ich mich als EU-Händler:in für OSS registrieren?

      Die Registrierung für OSS vereinfacht den Prozess der Steuererklärung und erspart die Registrierung in mehreren Ländern.

      5. Gilt die Umsatzsteuer für Bestellungen mit oder ohne Steuer?

      Der Schwellenwert von 150 Euro versteht sich exklusive Steuern und bezieht sich nur auf den Warenwert (ohne Transport- und Versicherungskosten, es sei denn, diese sind im Preis inbegriffen und nicht gesondert auf der Rechnung ausgewiesen). 

      6. Warum sollte ich mich als Nicht-EU-Händler:in mit Verkauf innerhalb der EU für IOSS registrieren?

      Für Händler:innen, die sich dafür entscheiden, die Umsatzsteuer beim Checkout auf Waren mit geringem Wert von der Kundschaft in der gesamten EU zu erheben, wird IOSS die Einreichung einer einzigen Steuererklärung ermöglichen. Außerdem werden importierte Waren wahrscheinlich schneller von den Zollbehörden abgefertigt (oder vielleicht sogar ohne Prüfung „durchgewunken“). Ohne IOSS könnten Sendungen an der Grenze für Bewertungskontrollen zurückgehalten werden, was zu Lieferverzögerungen und/oder zusätzlichen Umsatzsteuerveranlagungen führen kann.

      7. Ich bin mir nicht sicher, wie sich die jüngsten Änderungen der EU-Umsatzsteuer auf mein Unternehmen auswirken. Was sollte ich tun?

      Wenn du unsicher bist, wie sich diese Änderungen auf dein Unternehmen auswirken, solltest du dich an die Europäische Union oder eine Steuerberatung wenden. Du kannst auch eine Vertretung benennen, z. B. für Buchhaltung oder rechtliche Belange, die sich um deine Steuererklärung und -zahlungen kümmert. 

      8. Wie bekomme ich Hilfe bei der Registrierung und Einreichung meiner Umsatzsteuer?

      Nachfolgend findest du einige Dienstleister, die dir helfen können, dich für die Umsatzsteuer zu registrieren und deine Umsatzsteuererklärung abzugeben. 

      • Taxdoo 
      • Dutypay 
      • Hellotax
      • Simply VAT
      • Taxually
      • Avalara
      • Your Company Formations

      9. Ist Shopify ein Marktplatz oder ein Vermittler?

      Shopify ist weder ein Marktplatz noch ein Vermittler. 


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      Noch mehr Antworten zu OSS für Shopify-Händler:innen liefert Dr. Roger Gothmann, Geschäftsführer von Taxdoo, im nachfolgenden Exkurs.

      Warum kam es am 1. Juli zu einer großen Umsatzsteuer-Reform, die (fast) alle Shopify-Händler:innen betrifft?

      Das Umsatzsteuerrecht der Europäischen Union (EU) ist noch immer auf dem Stand von vor fast 30 Jahren. Um diese für den Onlinehandel so wichtige Steuerart mit unserem digitalen Zeitalter kompatibel zu machen, einigten sich alle Mitgliedstaaten der EU bereits Ende 2017 auf eine umfassende Reform – mit dem sogenannten One-Stop-Shop (OSS) als zentrales Element.

      Die Umsetzung sollte eigentlich zum 1.1.2021 erfolgen. Da viele Mitgliedstaaten jedoch Probleme hatten, die Technologie des OSS bereitzustellen, wurde der Stichtag vom 1.1.2021 auf den 1.7.2021 verschoben.

      Lesetipp: In 12 Schritten zum eigenen Dropshipping-Store. Wir zeigen dir, wie wir mit Shopify Dropshipping in wenigen Tagen einen beachtlichen Umsatz erzielt haben.

      Um zu verstehen, was sich grundlegend geändert hat, sollten wir mit der Rechtslage beginnen, die für alle Verkäufe galt, die bis zum 30.06.2021 ausgeführt wurden.

       

      Was galt für alle grenzüberschreitenden Verkäufe bis zum 30.06.2021?

      Grundsätzlich gilt bereits seit 1993, dass jeder grenzüberschreitende Verkauf an Endverbraucher:innen innerhalb der EU im Bestimmungsland – dort wo die Verbraucher:innen die Ware empfangen – zu versteuern ist.

      Damit sich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht in jedem EU-Staat, in den sie Ware senden, ab dem ersten Euro umsatzsteuerlich registrieren und auf die Suche nach lokalen und möglicherweise kostenintensiven Steuerberater:innen machen müssen, wurden die Lieferschwellen eingeführt. Bis zu dieser Grenze dürfen Onlinehändler:innen ihre grenzüberschreitenden Lieferungen innerhalb der EU weiterhin im Sitzstaat versteuern.

      Umsatzsteuer 2021: Was galt für alle grenzüberschreitenden Verkäufe bis zum 30.06.2021?

      Bei Lieferungen in die meisten EU-Staaten gilt eine Grenze von 35.000 Euro netto pro Kalenderjahr. Nur drei EU-Staaten haben eine Grenzen von 100.000 Euro netto:

      • Deutschland,
      • Niederlande und
      • Luxemburg.

      Wird dieser Schwellenwert überschritten müssen Onlinehändler:innen bzw. ihre Steuerberatenden Folgendes im Blick behalten:

      • Es muss zwingend eine steuerliche Registrierung im Bestimmungsland erfolgen.
      • Nachdem das Finanzamt im Ausland eine Steuernummer erteilt hat, müsse für alle Monate nach dem Überschreiten der Lieferschwelle Umsatzsteuererklärungen in diesem Staat abgegeben werden.
      • Da ab diesem Zeitpunkt auch der Steuersatz des Bestimmungslandes gilt, muss auch darauf geachtet werden, dass dieser auf den Rechnungen steht.

      Neuer Schwellenwert seit dem 1. Juli 2021

      Seit dem 1. Juli 2021 fallen die Lieferschwellen aller EU-Staaten weg. Seit diesem Zeitpunkt ist grundsätzlich jede grenzüberschreitende Lieferungen an Endverbrauchende innerhalb der EU im Bestimmungsland steuerpflichtig.

      Umsatzsteuersätze EU: Neuer Schwellenwert seit dem 1. Juli 2021

      Dabei ist es völlig egal, wo die Lieferung beginnt oder endet.

      Beispiele: Eine Lieferungen aus den Niederlanden nach Deutschland ist dann immer in Deutschland steuerpflichtig. Eine Lieferung aus Spanien nach Frankreich, immer in Frankreich. Eine Lieferung aus Polen nach Tschechien, in Tschechien, …

      Es gibt ab dem 1. Juli lediglich eine kleine EU-weite Schwelle in Höhe von 10.000 Euro.

      Das bedeutet, solange du mit deinen grenzüberschreitenden Lieferungen (und digitalen Dienstleistungen) an Endverbrauchende in alle EU-Staaten unter 10.000 Euro netto bleibst, kannst du diese Umsätze weiterhin bei dir zuhause versteuern. Sobald du aber über die 10.000 Euro netto kommst, sind alle Lieferungen (und digitalen Dienstleistungen) immer im Bestimmungsland steuerpflichtig.

      Beispiel: Du verkaufst Waren im Wert von 9.950 Euro an Endverbrauchende nach Frankreich. Solange du keine weiteren grenzüberschreitenden Umsätze an Endverbrauchende in der EU hast, kannst du diese Umsätze weiterhin bei deinem Finanzamt versteuern.
      Kurze Zeit später schickst du jeweils ein Paket nach Rumänien und eines nach Luxemburg. Diese beiden Pakete musst du dann jeweils in Rumänien und in Luxemburg versteuern, da du die 10.000-Euro-Grenze überschritten hast.

      Muss man sich dann in allen EU-Staaten lokal registrieren, so wie es bis zum 30.06.2021 der Fall war? Nein!

      Der One-Stop-Shop ersetzt lokale Registrierungen

      Müsste man sich ab dem 1. Juli weiterhin lokal im Ausland steuerlich registrieren, würde diese Gesetzreform alles noch komplexer machen, als es vorher der Fall war. Aus diesem Grund implementieren alle EU-Staaten für ihre Unternehmen jeweils einen sogenannten One-Stop-Shop.

      Umsatzsteuer 2021: Der One-Stop-Shop ersetzt lokale Registrierungen

      Onlinehändler:innen, die aufgrund ihrer grenzüberschreitenden Verkäufe an Endverbrauchende zukünftig in anderen EU-Staaten steuerpflichtig werden, können ihre Umsätze über den One-Stop-Stop melden und dort ebenfalls die Begleichung ihrer Umsatzsteuerschuld vornehmen.

      Der Vorteil ist, dass die Rahmenbedingungen für die OSS-Erklärungen in allen EU-Staaten identisch sind.

      • Es wird zukünftig immer quartalsweise gemeldet – also erstmalig der Zeitraum von Juli bis September
      • Die Frist dafür ist immer einen Monat nach dem zu meldenden Quartal – also erstmalig Ende Oktober 2021
      • Für Umsätze, die über den OSS gemeldet werden, entfällt die gesetzliche Pflicht, Rechnungen auszustellen.
      • Die Umsatzsteuerschuld wird immer zentral über den OSS beglichen, egal in wie vielen EU-Staaten man steuerpflichtig ist.

      Die Nutzung des OSS ist freiwillig. Verwendet man ihn allerdings, müssen zwingend alle grenzüberschreitenden Lieferungen an Endverbrauchende für alle EU-Staaten darüber gemeldet werden.

      Onlinehändler:innen können sich stattdessen auch weiterhin lokal registrieren, sollten aber beachten, dass sie sich in diesem Fall aufgrund des niedrigen Schwellenwertes von 10.000 Euro z.B. selbst bei nur einem Paket nach Malta auch dort registrieren müssten.

      Auch können nicht alle Transaktionen im E-Commerce über den OSS gemeldet werden.

      Welche Maßnahmen sind für unsere Händler:innen noch wichtig? Sie erzählen es dir im Podcast - Hör rein!

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        OSS nicht für alle Transaktionen im E-Commerce möglich

        Verwendest du Warenlager im EU-Ausland oder hast dort eine eigene Betriebsstätte, benötigst du in diesen EU-Staaten zwingend eine lokale Registrierung, da viele der damit zusammenhängenden Transaktionen nicht über den OSS gemeldet werden können.

        So müssen z.B. weiterhin lokal gemeldet werden:

        • Verkäufe aus einem ausländische Warenlager an dort ansässige Endverbrauchende
        • Die Einlagerung der Ware dort (als sogenannten innergemeinschaftliche Verbringungen & Erwerbe)
        • lokale Vorsteuern,

        In diesem Fall sollten zwei Compliance-Stränge etabliert werden.

        • Ein OSS-Strang für alle grenzüberschreitenden Fernverkäufe an Endverbrauchende
        • Ein Strang mit lokalen Registrierungen und lokalen Melden mit allen Transaktionen, welche Warenlager und Betriebsstätten im EU-Ausland betreffen.

        Eine Herausforderung, die ab dem 1. Juli immer gelten wird, ist die Frage, wie bestimme ich die Steuersätze für alle EU-Staaten?

        Lesetipp: Hier findest du eine Liste mit ERP- und Warenwirtschaftssystemen im Vergleich.

        Welche Umsatzsteuersätze gelten wo?

        Hierzulande gilt gem. § 12 Umsatzsteuergesetz ein Umsatzsteuersatz von 19 Prozent. Bei bestimmten Lieferungen und sonstigen Leistungen gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Dazu zählen unter anderem:

        • Tiere
        • Lebensmittel
        • Kaffe und Tee
        • Gewürze
        • Bücher
        • Rollstühle und andere Fahrzeuge für Behinderte
        • Kunstgegenstände
        • Sammlungsstücke

        Ab 2020 gilt gemäß Jahresteuergesetz 2019 eine reduzierte Umsatzsteuer auf E-Books. Die EU-Mitgliedstaaten können seither ihre ermäßigten Steuersätze oder sogar Nullsätze auf elektronische Veröffentlichungen anwenden. Damit gleichen sich die Mehrwertsteuervorschriften für physische und elektronische Veröffentlichungsformen an.  Am 17.12.2021 veröffentlichte das BMF ein Schreiben zu digitalen Medien mit Fallbeispielen, Definitionen und Nichtbeanstandungsregelung. Auch die Steuersätze für Produkte, die der Monatshygiene dienen, wurden gesenkt. Mit dem Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2030 in die Abgabenordnung wurde zudem ein erweiterter Steuersatz für Bahntickets eingeführt (Aufhebung der 50-km-Grenze).

        Eine Tabelle mit den in der EU geltenden Mehrwertsteuersätzen, findest du in ganz oben im Beitrag.

        Wann gilt welcher Umsatzsteuersatz in der EU? 

        Führt man sich vor Augen, dass durch den Wegfall der Lieferschwellen grenzüberschreitende Lieferungen an Endverbraucher:innen in nahezu jedem EU-Staat steuerpflichtig sein werden, kann man sich zu Recht fragen: Woher weiß man, welcher Steuersatz für welches Produkte in welchem EU-Staat gilt?

        Das Thema Steuersätze und Umsatzsteuer innerhalb der EU ist recht kompliziert. Das EU-Recht erlaubt die folgende Bandbreite und bietet daher viel Spielraum.

        • Standardsteuersatz: Hier liegt die Bandbreite in der EU zwischen 17 und 27 Prozent. Der gesetzliche Mindestbetrag ist 15, eine obere Grenze gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.
        • Ermäßigter Steuersatz I: Dieser muss mindestens 5 Prozent und weniger als 15 Prozent betragen – die Anwendung beschränkt sich auf im Anhang III der Mehrwertsteuersystemrichtlinie genannte Produkte.
        • Ermäßigter Steuersatz II: Es gelten dieselben Voraussetzungen wie für den ermäßigten Steuersatz I.
        • Nullsteuersätze: Wie der Name es sagt, beträgt der Steuersatz hier null Prozent. Das Ganze ist nicht zu verwechseln mit einer Steuerbefreiung.
        • Sondersätze: Diese können fast beliebig gewählt werden – aber immer nur nach Genehmigung (und häufig Befristung) durch die EU-Kommission.

        Das Beispiel Kaffee verdeutlicht das Problem recht gut. In Deutschland z.B. wird Kaffee wie viele andere Lebensmittel ermäßigt besteuert: mit 7 Prozent. In Frankreich gilt ebenfalls eine ermäßigte Besteuerung. Allerdings gibt es dort drei Möglichkeiten: 2,1 Prozent, 5,5 Prozent und 10 Prozent. Die Wahrheit liegt in diesem Beispiel in der Mitte: bei 5,5 Prozent.

        Wie kann nun ein Onlinehändler oder eine Onlinehändlerin mit einem Sortiment von 1.000 Produkten und Steuerpflichten in allen EU-Staaten ab dem 1.7.2021 für alle 1.000 Produkte und alle EU-Staaten rechtssicher die Steuersätze bestimmen?

        Das ist letztlich nur automatisiert möglich  – z.B. über ein eindeutiges Produktmerkmal wie z.B. die sogenannte Zolltarifnummer. Mithilfe der Zolltarifnummer kann jedes Produkt weltweit klassifiziert werden, sodass auch eine automatisierte Bestimmung der Steuersätze – dann über entsprechende Datenbanken – möglich ist.

        Fazit: OSS macht einiges einfacher, aber nicht alles

        Der OSS macht vieles einfacher und effizienter. Allerdings führt er auch dazu, dass man sich intensiv Gedanken über die Bestimmung von Steuersätzen machen muss. Auch die Verwendung von Warenlagern oder Betriebsstätten im EU-Ausland macht lokale Registrierungen nicht überflüssig und führt dazu, dass zwingend jede einzelne Transaktion von dir automatisiert umsatzsteuerlich bewertet werden sollte.

        Wer das über eine Plattform wie Taxdoo abwickeln will, auf die z.B. Shopify-Händler:innen wie Snocks oder Purelei vertrauen, kann hierfür eine Demo-Version buchen. 


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        Häufig gestellte Fragen zu Umsatzsteuersätze EU

        Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in der EU?

        Gemäß EU-Richtlinien beträgt der Umsatzsteuersatz 15 %, ein geringerer Prozentsatz ist für den Allgemeinfall in keinem Mitgliedstaat zulässig. Den niedrigsten Mehrwertsteuersatz hat Luxemburg mit 17%. Eine Liste aller in der EU geltenden Umsatzsteuersätze, findest hier im Beitrag.

        Welche Länder in der EU haben die höchsten Umsatzsteuersätze?

        Die Umsatzsteuersätze in Dänemark, Kroatien und Schweden sind mit jeweils 25% die höchsten in der EU. Überboten werden sie nur von Ungarn mit 27%. Eine Liste aller Steuersätze der EU, findest hier im Beitrag.

        Welche Länder haben einen Umsatzsteuersatz von 19 Prozent?

        Die EU-Mitgliedsstaaten Deutschland, Rumänien und Zypern haben alle einen Umsatzsteuersatz von 19%. Darunter liegen nur Malta mit 18% und Luxemburg mit 17%. Eine Liste aller in der EU geltenden Umsatzsteuersätze, findest hier im Beitrag.

        Which method is right for you?Gepostet von Caroline Dohrmann: Caroline ist Content Managerin bei Shopify und betreut den deutschen Shopify Blog und Podcast. Du möchtest einen Gastbeitrag veröffentlichen? Dann lies dir bitte zuerst diesen Leitfaden durch.

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